Wer Angst vorm Fliegen hat, sollte besser nicht weiterlesen. Denn ich habe das Buch eines ehemaligen Flugsicherheitsassistenten gelesen. “Die Bombe is’ eh im Koffer – Geschichten aus dem Handgepäck“. Und das ist gleichermaßen lustig wie erschreckend.

Jeder von uns kennt die Situation: Sicherheitskontrolle am Flughafen. Und wer hat sich nicht schon mal über die 100-Milliliter-Problematik im Handgepäck aufgeregt? Oder dass die Schleuse ständig bimmelt, obwohl man alles abgelegt hat. Oder dass man seinen Koffer öffnen, Schuhe ausziehen und den “Adler” machen muss. Achim Lucchesi ist ehemaliger so genannter “Luftsicherheitsassistent” am Frankfurter Flughafen und erzählt in amüsanter Weise vom Alltag eines Kontrolleurs.

In kurzen, schnell lesbaren Kapiteln berichtet er von seinem beruflichen Werdegang und wie er zur FraSec, dem Frankfurter Luftsicherheitsdienst, gekommen ist. Warum Bundeskanzler nicht kontrolliert werden, Boris Becker dagegen doch. Wie es in der Senator Lounge aussieht und wie der VIP-Zugang funktioniert. Warum Babys 15.000 Euro schwere Windeln haben und 50cm lange Dildos als Waffen gelten.

Vor- aber auch Nachteile hat so ein Blick ins Innere der Sicherheit: Ein Nachteil ist, dass man erfährt, dass es einfach keine komplette Sicherheit geben kann (für die, die es noch nicht wussten). Denn zahlreiche Lücken im System (schlechte Bezahlung, verwirrende Anweisungen, mangelnde Ausbildung usw.) sorgen dafür, dass Terroristen rein theoretisch leichtes Spiel haben. Soll man da von Glück sprechen, dass bisher noch nicht mehr passiert ist? Andererseits erklärt Lucchesi anschaulich, warum wir trotzdem mit einem guten Gefühl ins Flugzeug steigen können.

Den Vorteil habe ich am letzten Freitag selber feststellen können: Vor meinem Flug nach Frankfurt musste ich am Hamburger Flughafen natürlich selber durch die Kontrolle. Also alles gemacht wie im Buch: Alle metallenen Gegenstände aus den Taschen aufs Band, Laptop einzeln in einen Behälter und zügig durch die Schleuse marschiert. Und? Nichts passiert. Ich also schön meinen Koffer geschnappt. Und plötzlich höre ich die Sicherheitsfrau am Ende des Bandes (die, die den Koffer bei Bedarf öffnen soll/muss): “Achtung, wir werden kontrolliert! Vorne rechts am Bücherstand!” Woraus ich messerscharf schließen konnte, dass die Kontrolleure gerade selber Teil einer Kontrolle wurden. Nachteil für mich: Mein Laptop wurde – Vorschrift muss sein – genauestens auf Drogen und Sprengstoff untersucht. Ab ins Büro, Klebestreifen auf den Laptop, Gerät in den EGIS-Bombendetektor, alles sauber, Reise fortgesetzt. Vorteil für mich: Ich wusste genau, was passieren würde. Null Nervosität und darüber hinaus viel Verständnis für die Kollegen.

Fazit

Insgesamt für mich ein spannendes und interessantes Stück Lektüre. Ich musste häufig herzlich lachen, für Unterhaltung ist auf jeden Fall gesorgt. Wer schon immer mal hinter die Kulissen eines Flughafens schauen wollte, ist gut bedient. Und zukünftig wird man aufpassen, bevor man bei der Kontrolle dumme Sprüche über Bomben und Terroristen fallen lässt.

Neugierig auf das Buch bin ich übrigens durch diesen lesenswerten Artikel geworden.

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