Die next11 in Berlin hatte hohe Ansprüche. “Data Love” war das Thema, doch leider war mehr “Data” als “Love” vorhanden.

Die next conference bezeichnet sich selber als eine der wichtigsten Konferenzen für digitales Marketing in Deutschland. Nicht nur deswegen war mein Arbeitgeber Scholz & Friends zum dritten Mal in Folge Sponsor der Veranstaltung. Der “Branding”-Track am zweiten Tag wurde komplett organisatorisch von uns übernommen. Darunter unter anderem die Jungs von Improv Everywhere. Wer die noch nicht gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen.

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Mein Fazit der next11 fällt sehr zwiegespalten aus. Dies liegt vor allem daran, dass sich die next eigentlich an Unternehmen richten möchte. Leider waren davon jedoch nur wenige vor Ort. Stattdessen waren wieder einmal zahlreiche Startups zugegen, die sich vorgestellt haben, mehrere Agenturen, die die digitale Kommunikation weiter vorantrieben treiben wollen, Presse sowie Blogger und Social Media Berater. Dieser Mix führt jedoch dazu, dass die next, die eigentlich die Trends der Zukunft zeigen möchte, eher das abbildet, was aktuell Trend ist. Diejenigen, die regelmäßig Mashable lesen, finden dort nichts, was sie nicht schon kennen. Diejenigen aber, die meist noch nicht so weit sind, sind nicht auf dem Kongress. Dazu würde ich unter anderem zahlreiche Unternehmen zählen, die in Sachen digitaler Kommunikation Nachholbedarf haben. Erst letzte Woche hatten wir bei Scholz & Friends Kommunikationsdesign-Studenten zu Gast. Von etwa 30 kannten lediglich 3 den Begriff “Augmented Reality”. Unwahrscheinlich, dass der Großteil der Marketing-Verantwortlichen von Unternehmen dort wesentlich weiter ist.

Wozu führt das aber? Dazu, dass sich diejenigen, die schon viel wissen, mit anderen unterhalten, die ebenfalls viel wissen. Gespräche auf Augenhöhe eben. Dass es dort nur zu geringem Wissensaustausch in Form von ganz Neuem kommt, liegt auf der Hand. Der überdurchschnittlich Online-Affine lernt auf der “next” eben doch nur das “now”.

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Und doch gibt es – auch oder gerade – auf der next zahlreiche spannende Momente. Zu diesen gehörte leider dieses Jahr nicht Andrew Keen, dessen Vortrag ich letztes Jahr noch spannend, dieses Jahr jedoch nur noch austauschbar fand. Mit zu den spannendsten Momenten der drei Tage gehörte für mich das Speakers Dinner am Montag. Dort lernte ich verschiedene Menschen kennen, die sich Zeit nahmen, über ihre Projekte zu sprechen und – vor allem – darüber hinaus.

Für mich bleiben immerhin ein paar Sätze und Ideen der next übrig:
Sehr spannend fand ich die Ideen der Agentur Breakfast NY, die ein paar ihrer Kampagnen vorstellten. Darunter war ein interaktives Fahrrad, das quer durch die Vereinigten Staaten fuhr, in Echtzeit Daten an eine Website übertrug und dazu noch twitterte. Das Ziel, Spenden für die Lance Armstrong Stiftung zu gewinnen, wurde nach Aussagen der Verantwortlichen schon nach wenigen Tagen erreicht.

Die Idee, Kreation und Technik miteinander zu verbinden, gehört sicherlich zu den spannendsten Aufgaben der Zukunft. Dazu gehört nicht nur Software, wie es im Falle des ADC-Siegers, des wwf-Formats, der Fall war. Sondern technisch anspruchsvolle Lösungen für aktuelle und zukünftige Probleme und Herausforderungen der Gesellschaft.

Ein anderer, bereits länger anhaltender Trend, ist der, Menschen zu unterhalten, zu involvieren und Unternehmen als Sponsoren zu gewinnen. Improv Everywhere, oben bereits genannt, ist eines dieser Beispiele. Die World Record Data Base gehört ebenfalls dazu. Geboren aus einer kleinen Idee, kann sich dort jeder zum Weltrekordler ernennen lassen. Den Kniff, Unternehmen an unterhaltsamen Wettkämpfen zu beteiligen, finde ich richtig klasse. Dan Rollmann, einer der Gründer der Plattform, ist außerdem ein sehr interessanter Gesprächspartner.

Passend zum Thema der next11, Data Love, gab es zahlreiche faszinierende Wege der Visualisierung von Daten. Eines davon ist Gapminder, eine Plattform, die weltweite Statistiken bildlich darstellt. Ansonsten gab es auf der next fast schon etwas wie “Data Porn” – wie ein User bei Twitter es nannte. Daten, Daten, Daten, wohin das Auge blicken konnte. Verblüffend, wie viele Daten man heutzutage gewinnen kann. Und beruhigend, wie wenig Unternehmen teilweise dennoch über ihre User wissen. (zu sehen an zahlreichen Beispielen bei Amazon “Was sie noch so kaufen sollten”)

Erfrischend und ermunternd auch die Aussage von Alyssa Jade Mac Donald von Blyss Chocolate (zu sehen in unserem Branding Track), die zeigte, wie Unternehmen auch entgegen aller Aussagen von Daten Erfolg haben können.

Es kommt halt nicht immer nur auf den Kopf, sondern manchmal auch auf den Bauch an. Guten Appetit.