Was war das doch früher schön, wenn man etwas als Erster wusste und alle anderen viel später. Doch durch Social Media ist dieses Phänomen vorbei. Die “Early Adopter” sind tot.

Die so genannnten “Early Adopter“, also die Menschen, die immer alle technischen Spielereien – “Gadgets” – vor allen anderen haben wollen, sind für Unternehmen als potenzielle Multiplikatoren eine attraktive Zielgruppe. Doch mit zunehmender Informationsgeschwindigkeit verlieren sie ihren Vorsprung. Waren es früher noch Wochen oder Monate, bis die neueste Technik, der neueste Hype aus den Vereinigten Staaten nach Europa schwappte, ist heute (fast) alles überall gleichzeitig zu bekommen. Noch viel schneller geht diese Entwicklung bei nicht-physischen Dingen wie Software oder Nachrichten. Wenn die Musikbranche nicht gerade Protest einlegt und Spotify auf wenige Länder festsetzt, sind Informationen in Echtzeit an allen Plätzen der Welt vorhanden.

(Quelle: flickr)

“Erster!” Dies zu rufen, ist in der heutigen, schnelllebigen Welt immer schwieriger geworden. Gerade durch Microblogging-Plattformen wie Twitter, aber auch durch Blogs und Facebook werden Nachrichten immer schneller in die Massenmedien getragen. Kaum ein Medium mehr, dass nicht die Twitter-Trends oder rivva nach interessanten oder einfach nur lustigen Nachrichten durchforstet. Drei Re-Tweets später, und der neue “Skandal” ist bei Spiegel Online, das nächste lustige Video bei Bunte.de und das aktuelle “Meme” bei Welt Online. Akkumulatoren wie Digg beschleunigen diesen Trend noch weiter. Der “Nachrichten-Motor” Twitter spült die News immer schneller zu den “Late Adopters”, die Spanne zwischen Erstkontakt und Masse wird dadurch immer geringer.

Hier die ursprüngliche Entwicklung eines Trends:

Early Adopter Behavior from Louis Gray

(Quelle: Flickr)

In diesem Artikel wird sehr schön erklärt, wie die “Early Adopter” zuerst auf den Zug aufspringen, weitere Interessierte “anstecken” und dadurch den durchschnittlichen Konsumenten erreichen, sich aber schnell langweilen oder genervt sind, dass sie nicht mehr die Einzigen sind, die das Neue kennen und sich langsam aber sicher wieder anderen Dingen zuwenden. Jetzt allerdings werden sie oftmals übersprungen, da die “Innovatoren” bekannt sind und deren Nachrichten schnell das Licht der großen Öffentlichkeit erblicken.

Vorteil oder Nachteil?

Das ist meiner Meinung nach nur schwer zu sagen. Einerseits wird die “Masse” der Konsumenten durch dieses Phänomen sehr schnell an Neues herangebracht. Leider verbrennen somit auch viele interessante Neuerungen im schnellen Medienalltag. Oft wird Neuem nicht genügend Zeit gelassen, sich zu entwickeln. Früher wurden “Early Adopter” noch dazu genutzt, Fehler und Schwächen in Programmen auszumerzen, indem sie Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge machen.

Wenn man sich das “Technology Adoption Curve Framework” ansieht – hier ganz schön anschaulich gezeigt, welche Kanäle welchen Typus ansprechen – müsste es heute sicherlich anders aussehen. Selbst wenn es noch die Innovatoren gibt, so schmilzt der Teil der “Early Adopter” rapide ab. Viel zu schnell wird heute die “Majority” erreicht, als dass zwischen den beiden Typen noch große Unterschiede gemacht werden können.

Diffusion of Innovations

Wer jetzt immer noch nicht genug von den “Early Adopter” hat, sollte sich dies hier einmal anschauen:

Link: The Early Adopter Song! (Part 1) - popula.de