“Bewahrer”, “Riskierer”, Hedonist”: Laut Informationen des NDR erstellt die Hamburger Sparkasse (Haspa) persönliche Profile ihrer Kunden und teilt sie in verschiedene Verbraucher-Typen ein. Horrorvorstellung?
(Quelle: Flickr “Mattingham”)
Die Aufregung ist groß, schließlich die Auswertung von persönlichen Daten etwas sehr privates. Doch ist Nehmen wir doch einfach mal an, ihr würdet euch auf Amazon einloggen, etwas einkaufen und sich zahlreiche andere für euch interessante Dinge anschauen. Und plötzlich bekommt ihr beim nächsten Mal angezeigt: “Wenn Sie dies interessiert, könnte Sie auch dies interessieren.” Wären wir alle entsetzt?
Anderes Beispiel: Man geht zu seinem Hausarzt, der einen seit Geburt an kennt. Man war da, weil man sich beim Skifahren das Bein gebrochen, beim Squash die Hüfte ausgerenkt, beim Moto-Cross den Finger geprellt und beim Surfen eine Platzwunde am Kopf zugezogen hatte. Und jetzt kommt der Arzt und sagt: “Sie sind aber ein ganz schöner Draufgänger, vielleicht sollten Sie beim Sport etwas vorsichtiger sein.” Würde euch diese Nutzung eurer privaten Daten auch erschrecken? Oder noch viel schlimmer: Ihr kommt mit Magenschmerzen dahin, und der Arzt weiß aus eurer Krankengeschichte, dass ihr regelmäßig trinkt, raucht und keinen Sport treibt. Dann könnte er euch ja ein Mittel oder eine Therapie andrehen, die euch helfen könnte. Btw: Wusstet ihr eigentlich, dass eine Krankenversicherung ihre Kunden in Risikogruppen (Raucher, Trinker, Extremsportler etc.) einteilt?
Von meinem Versicherungsvertreter, meiner Kreditkartenfirma und der Schufa fange ich also besser gar nicht erst an. Was die für Daten von mir haben, von denen ich gar nichts weiß. Und jetzt empört man sich bei der Verbraucherschutzzentrale darüber, dass eine Bank ihre Kunden besser beraten möchte? OK, “Angst machen” kann nicht im Sinne der Konsumenten sein. Bessere Beratung dagegen schon.
Was ist also wirklich passiert? Die Haspa hat ihre Kunden in Zielgruppen eingeteilt:
Die Beschreibung einer Zielgruppe erfolgt eher traditionell und vergleichsweise einfach über soziodemografische Merkmale (wie zum Beispiel Alter, Familienstand, verfügbares Haushaltseinkommen,geographisches Gebiet nach Nielsengebieten etc.), gelegentlich aber auch – und das mit mehr Aufwand – über ihre psychografischen Merkmale (wie zum Beispiel Einstellungen und Werte mit dem daraus resultierenden Konsumverhalten, Vorlieben, Statusbewusstsein, Offenheit, ästhetisches Empfinden etc.). (Quelle: Wikipedia)
Klingt jetzt gar nicht mehr so schlimm, oder? Selbst Spiegel Online berichtet ungewohnt unaufgeregt darüber.
Interessant finde ich dabei, dass die Kundin sich nicht darüber aufregt, dass ein Profil von ihr erstellt, sondern dass sie als “Hedonistin” eingestuft wurde. Sollte sie sich selber nicht als dieser Gruppe angehörig fühlen, wäre doch klar, dass die Bank sich in ihrem Urteil geirrt hätte und das System damit überhaupt keinen Sinn macht. Dies wäre übrigens ein guter Grund zu kündigen. Stattdessen wird hier ein jahrzehntealtes Bild des unmündigen Konsumenten herausgeholt, der sich gegen die allwissenden und übermächtigen “geheimen Verführer” nicht wehren kann.
Ich persönlich würde mir viel mehr Sorgen darüber machen, dass mein “persönlicher” Bankberater sich kein Bild von mir macht. Sich nicht für meine Sorgen und privaten Wünsche interessiert und mir dementsprechend Angebote unterbreitet, die weit von meinen Vorstellungen entfernt sind. Egal, ob ich nun “Bewahrer”, “Hedonist” oder “Abenteurer” bin, in erster Linie bin ich doch eins: Kunde.
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