Es gibt einige Dinge, die nimmt man sich fürs neue Jahr vor. Und es gibt mindestens genauso viele Dinge vor, die man wieder ein Jahr verschiebt. So ging es mir eine Zeitlang. Warum? Schwierig zu sagen: Zu umständlich, raubt Zeit, nichts genaues weiß man nicht, tut vielleicht weh. Dabei ging es um die schönste Sache der Welt: Das Leben eines anderen zu retten.
Krebs. Allein das Wort lässt einen schaudern. Schließlich hatte sicher jeder von uns damit bereits mehrfach Kontakt. Allein in meinem engsten Freundeskreis gab es mehrere Fälle, und meist waren die Betroffenen jung, viel zu jung, als dass es sie hätte treffen sollen. Annette zum Beispiel. Sie ist eine ehemalige Arbeitskollegin von mir. Gott sei Dank! Nicht dass sie jetzt nicht mehr meine Arbeitskollegin ist. Sondern dass sie noch lebt. Denn es hätte auch ganz anders ausgehen können.
Es kam wie ein Schlag: “Ich habe Leukämie.” “Wie, du, warum?” Das Traurige: Es gibt keine Antwort auf die Frage: “Warum?” Warum trifft es gerade diesen Menschen? (Als ob es besser wäre, wenn es jemand anderen treffen würde) Und noch schlimmer: Man kann damit nicht umgehen. Weder als Kranker, noch als Freund/Familienangehöriger. Weil man viel zu wenig über die Krankheit weiß. Und das, was man bei der Eigenrecherche erfährt, viel zu grausam ist.
So dachte ich zwischenzeitlich tatsächlich: “Krebs wäre sicher weniger schlimm zu ertragen, wenn es das Internet nicht gäbe.” Denn wenn man darin findet, dass die Chance auf eine Spende bei 1 zu mehreren Millionen liegt, kann einem das schon Angst machen. Noch schlimmer sind Seiten, die einem detailliert Auskunft geben, wann man voraussichtlich sterben wird. (“Die Sterberate beträgt xy Prozent…Lebenserwartung xy Monate”) Gut, dass es Seiten gibt, die wirklich Hilfe und Informationen zur Verfügung stellen.
Eigentlich traurig, dass erst ein Blogbeitrag einer völlig Fremden mich dazu bewegen musste, mich registrieren zu lassen. (Darauf aufmerksam bin ich durch einen Retweet von Uwe Knaus geworden) Warum gerade dieser? Vielleicht weil der richtige Link dabei war und es mir ganz einfach erklärt wurde:
Bitte registrieren Sie sich online bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH). Hier sind auch genau die einzelnen Schritte bei einer Stammzellspende beschrieben. Es ist zunächst kein Gang zum Arzt oder ein Blutentnahmetest nötig. Sie erhalten nach erfolgreicher Registrierung auf dem Postweg ein Wattestäbchenset, um selbst einen Wangenabstrich durchzuführen. Das Ganze geht dann zurück an die DKMS, die damit die Möglichkeit hat, eine Vortypisierung vorzunehmen und somit Leben zu retten.
Dabei gibt es zahlreiche (gute) Werbekampagnen für Blut- und sonstige Spenden. Aber vielleicht haben sie mich einfach nicht im richtigen Moment erwischt, oder es mir nicht gut genug erklärt, damit sich bei mir der Impuls freimacht, es zu tun.
Doch vor einigen Tagen habe ich wieder von Annette gehört. Ihr ginge es aktuell nicht so gut, meinte sie. Vielleicht sei es wieder die Krankheit. Und deswegen haben wir uns leider nicht getroffen. Dies hat sich bei mir festgesetzt. Und deshalb war ich für diesen Eintrag wahrscheinlich so empfänglich. Dabei ist Spenden wirklich so einfach: Auf die Website der Deutschen Knochenmarkspenderdatei gehen, drei mal klicken und seine Daten eingeben. Schon bekommt man ein Wattestäbchen geschickt. Keine Spritze, kein Piekser. Hätte ich das gewusst, hätte ich es sicher schon vor Jahren getan. Aber so ist das eben: Wer möchte sich schon mit so etwas Grausamen auseinandersetzen? Dabei könnte doch in jedem von uns ein Lebensretter schlummern.
Ich habe den ersten Schritt gemacht. Er hat nicht weh getan, und ich bin gespannt, was mich mit der Post erreichen wird. Darüber werde ich demnächst hier wieder berichten.
Was ist mit euch? Würdet ihr auch spenden? Und wenn nicht, warum nicht?
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