Kein Englisch am Sonntag, damit wir die Engländer schlagen. So oder ähnlich könnte man die Forderung des Institutes für Sprachwasauchimmers zusammenfassen. Sie fordern die Deutschen auf, am Sonntag, dem Tag, an dem wir im WM-Achtelfinale auf das englische Team, entschuldigung, die englische Mannschaft treffen, keine Anglizismen zu verwenden.

Nun gut, jetzt könnte man sagen: “Völliger Quatsch”, “ham sie sie noch alle” oder “häh?!”. Denn davon abgesehen, dass ein derartiger Boykott die Grenze zum Stumpfsinn tangiert, hätte eine solche Aktion auch wirtschaftliche Auswirkungen. Burger King und McDonalds z.B. würden Probleme bekommen, ihre “Fleischkäsebrötchen” unters Volk zu bringen.
Aber keine populäre Deutschtümelei, die nicht auch Anhänger finden würde: Natürlich springt die Bild-Zeitung auf den Zug auf. Deutschlands Boulevard stellt sich im ewigen Kampf gegen die englische Konkurrenz erneut stark auf und präsentiert ihre Samstag-Ausgabe ohne englische Wörter. (Ausnahmen: Fernsehprogramm, Anzeigen, Gewinnspiel, Impressum, Zitate und Eigennamen) Begründung von Kai Diekmann: “Morgen schmeißen wir die Engländer raus, heute schon die Anglizismen.” Dies führt in der heutigen Ausgabe zu so ungewöhnlichen Ausdrücken wie “Unterhaltungsgeschäft”, “Frauenbetörer” und “Verflossener”.
Zum Glück müssen die meisten von uns morgen nicht arbeiten: Denn ohne Meetings, Briefings und Timings geht ja fast nichts mehr im Agenturleben. Aber ganz ehrlich: Ist das so schlimm, dass wir mit der Zeit gehen, “moderne” Begriffe verwenden und uns der Internationalität öffnen? Auch wenn mein Beruf verlangt, schwierige Begriffe einfach zu verpacken, bin ich der Meinung, dass wir rückständig werden, wenn wir uns dem Sprachwandel und damit dem Fortschritt entgegenstellen.
Davon abgesehen finde ich, dass es einfach wieder eine gelungene, einmalige PR-Aktion ist, die polarisiert und für Diskussionen sorgen wird. Und schon morgen werden wir uns wieder über “Showbusiness”, “Womanizer” und “Ex” freuen.
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Der Betreiber des Bremer Sprachblogs hat dafür den schönen Namen “Sprachnörgler” geprägt. Ich muss zugeben, selbst mal einer gewesen zu sein, aber ich lerne ja gerne dazu. Ein großartiges Buch zum Thema Sprachwandel (wobei ich es eher “Entwicklung” nennen würde) ist “Du Jane, ich Goethe” (trotz des doofen Titels).
Und da jetzt gerade wieder alle den Blödsinn der Chefsprachnörgler vom VDS nachplappern: Auch in England ist das “public viewing” das, was es hier ist:
http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachmythen/2010-06-10/public-viewing-oder-die-r-ckkehr-der-leichenbeschauer
Schönen Gruß und möge morgen das bessere Team (oder die Deutschen) gewinnen.
Mir sind grundsätzlich alle Formen von Extremismus suspekt. Und dazu zähle ich auch die “Bewahrer der deutschen Sprache”. Sorry, aber dafür kommt leider jeder von euch ein paar Jahrhunderte zu spät. Wer im Gegenzug Anglizismen einsetzt, nur weil er “moderner” klingen (oder Fachwissen heucheln) will, liegt meiner Meinung nach ebenfalls falsch.
Danke für den Hinweis zu Public Viewing. Auch da lerne ich gerne hinzu.