WM 2010 in Südafrika: Paraguay erkämpft ein 1:1 gegen Italien, Uruguay und Frankreich trennen sich nach hartem, taktischen Kampf 0:0, Nordkorea bringt den großen Favoriten Brasilianer bei einem 1:2 an den Rand einer Niederlage. Die Schweiz schlägt Titelanwärter Spanien mit 1:0. Und bei allen Spielen muss man bisher sagen: Mega-spannend. Warum? Ganz einfach.
Fußballzwerge gibt es nicht mehr. Na gut, wenn man Honduras und die Schweiz Nordkorea betrachtet, vielleicht… Aber im Endeffekt nähern sich die Mannschaften in Sachen Fitness, Technik und Spielverständnis immer weiter an. Wozu führt das? Endlich wird auf allen Seiten moderner Fußball zelebriert. Da wird hier rochiert und da verschoben, dass es eine wahre taktische Freude ist. Das ultimative System 4-2-3-1 spielen mittlerweile fast alle Mannschaften, jeder hat dazugelernt.
Vorbei die Zeiten, als Deutschland Saudi Arabien mit 8:0 abschoss. Vorbei die Zeiten, als immer die gleichen Namen in Viertel- und Halbfinale standen. Endlich gibt es Überraschungen, endlich sieht es so aus, als könnten auch Neulinge bei Weltmeisterschaftsendrunden etwas bewegen (Wenn man denn Serbien und die Slowakei als Neulinge bezeichnen möchte). Zwei Mannschaften auf gleichem Niveau sind viel spannender anzusehen. Nehmen wir nur das Champions League Halbfinale zwischen Bayern München und Olympique Lyon, wo es hin und her ging, auf unglaublich hohem Tempo. Solchen Fußball wollen wir sehen.
Und um Amir Kassaei beizupflichten: Der Star ist die Mannschaft. Zumindest der, der das Spiel entscheidet. Das Zusammenspiel von perfekt aufeinander eingespielten Fußballern, auf ein System hin geschult, die Stärke in der Gemeinschaft. Und wenn dann noch Stars hinzukommen… Solche, die das Überraschungsmoment entwickeln, das Systeme zum Erfolg bringen. Stars, die die Kreativität haben, ungewöhnlich zu denken und damit seinen Gegner zu überraschen. Spieler wie Mesut Özil (leider nur an einem guten Tag), der die Australier quasi im Alleingang besiegt hat. Spieler wie Ronaldo, der in jeder Sekunde gefährlich sein kann. Wer schon einmal das Glück hatte, Spieler wie Ribery live zu erleben, wird mir zustimmen, wenn ich sage: Der allein ist das Eintrittsgeld wert. Auch wenn 89 Minuten Langeweile herrscht, sind es Spieler wie er, die die Massen begeistern, mit der Zunge schnalzen und die Jugendlichen sagen lassen: “Das möchte ich auch mal können.” Spieler wie Ronaldinho…oh, der darf ja nicht mehr mitspielen. Denn Carlos Dunga, der Trainer der Brasilianer, hat darauf verzichtet, seine Stars mitzunehmen. Schließlich soll Brasilien erneut den Titel holen, egal wie. Dass dies nicht auf Gegenliebe in Brasilien stößt, war vorauszusehen. Viel wichtiger ist jedoch: Das Ergebnis zählt.
Das schöne an einer WM ist jedoch, dass es ab dem Achtelfinale noch spannender wird, da es ums Weiterkommen geht. Wie viele unvergessliche Momente wird uns diese WM noch schenken? Und wer nicht das Glück hat, live dabei zu sein, kann sich das Gefühl immer noch selber bereiten. Wie Remi Gaillard.
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