WM 2010 in Südafrika: Die Italiener erkämpfen ein 1:1 gegen Paraguay, Uruguay und Frankreich trennen sich kampflos 0:0, die Brasilianer zittern sich (im wahrsten Sinne des Wortes) zu einem 2:1 gegen Nordkorea. Die Schweiz schlägt Titelanwärter Spanien mit 1:0. Und bei allen Spielen muss man bisher sagen: Totlangweilig. Warum?  Ganz einfach.

Fußballzwerge gibt es nicht mehr. Na gut, wenn man Honduras und die Schweiz Nordkorea betrachtet, vielleicht… Aber im Endeffekt nähern sich die Mannschaften in Sachen Fitness, Technik und Spielverständnis immer weiter an. Wozu führt das? Die totale gegenseitige Ausschaltung. Da wird hier rochiert und da verschoben, dass kaum noch flüssig Spiel im gegnerischen Strafraum möglich ist. Das ultimative System 4-2-3-1 spielen mittlerweile fast alle Mannschaften.

Und um Amir Kassaei zu widersprechen: Nein, nicht das Team ist der Star. Zumindest nicht der, der das Spiel entscheidet. Sondern derjenige, der das Überraschungsmoment entwickelt, diese starren Systeme zu durchbrechen. Der, der die Kreativität hat, ungewöhnlich zu denken und damit seinen Gegner zu überraschen. Spieler wie Mesut Özil (leider nur an einem guten Tag), der die Australier quasi im Alleingang besiegt hat. Spieler wie Ronaldo, der in jeder Sekunde gefährlich sein kann. Spieler wie Ronaldinho…oh, der darf ja nicht mehr mitspielen. Denn Carlos Dunga, der Trainer der Brasilianer, hat darauf verzichtet, seine Stars mitzunehmen. Schließlich soll bei Brasilien erneut den Titel holen, egal wie. Dass dies nicht auf Gegenliebe in Brasilien stößt, war vorauszusehen. Viel wichtiger ist jedoch: Die Show fehlt.

Wer schon einmal das Glück hatte, Spieler wie Ribery live zu erleben, wird mir zustimmen, wenn ich sage: Der allein ist das Eintrittsgeld wert. Auch wenn 89 Minuten Langeweile herrscht, sind es Spieler wie er, die die Massen begeistern, mit der Zunge schnalzen und die Jugendlichen sagen lassen: “Das möchte ich auch mal können.”

Das schöne an einer WM ist jedoch, dass ab dem Achtelfinale jedes Spiel spannend wird, da es ums Weiterkommen geht. Doch reicht das, um uns unvergessliche Momente zu schenken?

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