“Game changer” hieß das Motto der diesjährigen next conference, einer der größten Veranstaltungen zum Thema Internet in Deutschland, organisiert von den Kollegen von sinnerschrader. Leider scheint das Krisenjahr 2009 sowohl Unternehmen als auch Agenturen stark getroffen zu haben, denn von neuen, innovativen und aufbrechenden Ideen war in Berlin wenig zu sehen.
So blieb es bei den meisten Vorträgen eher bei Verkaufsveranstaltungen von meist schon gesehenen “neuen” Dienstleistungen, bzw. Kopien amerikanischer Vorbilder. Was mich am meisten störte, war die fehlende Aufbruchstimmung. Gerade in einer schwierigen Zeit wie dieser sollte eigentlich Mut gefordert sein. Doch nur die wenigsten Speaker konnten das Publikum begeistern. Gerade die Startups sollten es doch verstanden haben, dass es bei einem Elevator-Pitch darum geht, in 3 Minuten die Zuhörer und möglichen Investoren zu begeistern. Also 180 Sekunden Vollgas. Stattdessen war man eher auf Sicherheit bedacht, ein Ratschlag, der der Kreationswirtschaft dieser Tage nur wenig weiterhilft.
Was mir vor allem hängengeblieben ist,ist der Vortrag des Orchester-Dirigenten Itay Talgam, der Freude und Begeisterung versprühte und erzählte, warum man als Dirigent in einem Orchester auch mal loslassen und die Musiker allein spielen lassen muss. Nicht nur, weil der Leitsatz unserer Agentur “The Orchestra of ideas” ist, ist es für mich ein Anlass, dieses Thema in einem weiteren Beitrag zu vertiefen.

Der zweite Veranstaltungstag startete vielversprechend, mit Kontroversen und zahlreichen guten Thesen. Cindy Gallop sprach über “Make love not porn” und dass sie Sex mit jüngeren Männern hätte. Frei nach dem Motto “Sex sells” war dies sicher einer der am meisten diskutierten Vorträge.

Andrew Keen gelang es wieder einmal, seine Vorredner zu kritisieren, extrem zu polarisieren und das Publikum in mindestens drei Lager zu spalten. Ansonsten gab es wieder zahlreiche “Best Cases” und iphone Apps. Auch das WePad WeTab war anwesend, durfte jedoch nicht angefasst werden, was meiner Meinung nach ziemlich viel über das Gerät aussagt. Imponierend dagegen die iPad-App der Welt, die mit Videos, tollen Fotos und interessanten Artikeln punkten konnte. Überhaupt war das kleine Wunder-Ding von Apple überall auf der Veranstaltung zu sehen.

Insgesamt blieb viel Zeit fürs Networken. Dieser Tweet von Uwe Knaus bringt es ganz gut auf den Punkt:
Dabei habe ich auch dieses Jahr wieder unglaublich viele tolle Menschen kennengelernt und alte Bekannte und Freunde getroffen. So viele, dass ich leider zahlreiche Vorträge verpasst habe. Ich hoffe, dass die Videos der Konferenz wie auch die letzten Jahre wieder auf Sevenload zu sehen sein werden. Einen Großteil kann man sich auf zaplive.tv anschauen. Viele tolle Fotos von @bosch (und einen zweiten Fotografen, den ich leider nicht kenne) gibt es auf Flickr zu sehen. Insgesamt gehe ich mit gemischten Gefühlen zurück nach Hamburg, freue mich aber dennoch aufs nächste Jahr. Ein Dank an die Organisation von sinnerschrader, die sich jedes Jahr erfreulich zurücknehmen und das Thema in den Vordergrund stellen.

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