2010 könnte das Durchbruchsjahr der „Location Based Services“ (missverständlich kurz „LBS“ genannt) werden. Noch im letzten Jahr hieß es in der Branche: „Welchen Sinn macht es, wildfremden Menschen mitzuteilen, wo ich bin?“ Und ja, den Vorteil von Apps wie Foursquare und Gowalla sahen bisher meist nur diejenigen, die auf ungesetzliche Art und Weise das Fernbleiben von Zuhause ausnutzen wollten. Doch dieses Jahr könnte alles anders werden.

Wo habe ich letztes Jahr nicht überall eingecheckt: Am Flughafen, auf der Arbeit, bei Veranstaltungen und beim Mittagessen. Und was für Leute es scheinbar interessiert hat, wo ich mich gerade aufhalte. Immer und immer wieder gab ich Daten aus meinem persönlichen Leben preis. Doch die Dienste funktionierten leider als nur One-Way-Kommunikation, sammelten Daten von mir, und das einzige, was sie mir zurückgaben, war der Erfolg, „Mayor“ eines Ortes zu sein oder ein Wappen zu erhalten, dessen Zweck mir bis heute unerklärlich bleibt. Und dass Location Based Services einige Risiken mit sich bringen, sollte auch jedem klar sein.

Nur wenige Unternehmen haben es bisher verstanden, diese Dienste kreativ zu nutzen und den Menschen für ihre Treue zu bestimmten Orten etwas zurückzugeben. Sei es ein Freigetränk, ein Gutschein oder die Möglichkeit, ein Überraschungspaket zu gewinnen. Da die meisten allerdings aus dem Ursprungsland von Foursquare, also den USA, kommen, bringt es dem User hier in Deutschland sehr wenig.

Friendticker kommt da der Sache schon viel näher. Die Berliner Gründer haben das Konzept clever (oder frech) kopiert und bieten – im Gegensatz zu der Konkurrenz – bereits zahlreiche Kooperationspartner an. Mir gefällt das Konzept ebenso wie das freundliche Layout und auch das Einchecken funktioniert auf Anhieb. Was mich bisher stört, ist dass es auf dem Handy nicht möglich ist Freunde zu suchen und sie zu seinen hinzuzufügen. Und auch auf der Website macht man es dem User unnötig schwierig. Wenn dies noch behoben wird, hat Friendticker aber echte Chancen, die Platzhirsche in Deutschland zu verdrängen.

Und auch das Thema “Augmented Reality” wird einiges dazu tun, dass Location Based Services in Deutschland Erfolg haben werden. Wenn das Google Nexus One in den nächsten Wochen nach Deutschland kommt, bietet es u.a. die Funktion, mit Hilfe von Google Maps und Google Streetview direkt über so genanntes „Augmented Reality“ Informationen über den aktuellen Standort einzublenden. Einige iphone-Apps wie AroundMe zeigen das ebenfalls an, jedoch nicht in der Kombination von Bild/Kamera und Information.

Viele weitere praktische Apps verbinden den aktuellen Aufenthaltsort und interessante Informationen. z.B. Wikihood: Du bist neu in der Stadt und möchtest wissen, welche Sehenswürdigkeiten in der Nähe sind? Einfach Wikihood starten, dich lokalisieren lassen und schon zeigt dir die App die besten Plätze in deiner Umgebung an. Über Qype Radar und 1TouchTaxi hatte ich bereits berichtet. Auch der öffentliche Nahverkehr sowie die Bahn bieten immer häufiger Applikationen an, mit denen ich sehen kann, wie ich von A nach B komme. Und dann gibt es noch Spiele wie “Geocaching“, bei dem sich Spieler auf unbekanntem Terrain finden müssen. Alles Beispiele, die erst durch die große Verbreitung von GPS-fähigen Handys möglich wurden und die zeigen, welche Möglichkeiten es zukünftig geben wird, Informationen zu seinem Aufenthaltsort zu bekommen. Ich bin gespannt, was für faszinierende Programme es noch geben wird. Und ob Plattformen wie Facebook Location Based Services in ihr Portfolio mit aufnehmen werden. Das Rennen um standortbezogene Daten ist zumindest im vollen Gange.