Seit TV-Gedenken träumen Menschen vom “anfassbaren” Fernsehen. Es begann bei Raumschiff Enterprise mit dem berühmten “Holo-Deck“, ging weiter über verschiedene Versuche wie Geruchsfernsehen und interaktivem TV und ist nun, nach einer Pause von mehreren Jahren, wieder beim 3-dimensionalen Seherlebnis angekommen. Durch den Kino-Blockbuster-Mega-Über-Hyper-Kracher-Film “Avatar” angestachelt, heißt es nun bei jedem zweiten Kino-Trailer “Auch in 3D”. Doch hält die Technik diesmal, was sie verspricht oder wird es wieder nur ein kurzfristiger Hype sein?
Wie fing es eigentlich an? Mit rot-blau/grünen Brillen und rot-grünen Filmen/Bildern. Schwupps, fertig war der 3D-Effekt. Zwar beeindruckend, aber wer schon mal so eine rot-grüne Brille auf der Nase hatte, weiß, warum sich diese Technik nicht durchsetzen konnte.
Mit den iMax-Kinos schwappte dann die nächste große 3D-Welle nach Deutschland. Mit faszinierenden Dokumentarfilme wie “Space Station 3D” “Sea Monsters 3D” sowie Kleinstproduktionen wie “Das Geisterschloss” versuchte das neue Kino-Format zu überzeugen. Jedoch mangelte es den Eigenproduktionen an Story und Stars, so dass die Kinos leider meist leer blieben und es in Deutschland nur noch vereinzelt Überbleibsel der IMAX-Geschichte gibt. Überlegene Technik sollte mangelnde Kreativität ersetzen, und das funktioniert nunmal nirgends.
Die Technik hat sich seit der IMAX-Zeit bis Avatar nur unwesentlich weiterentwickelt und offenbart immer noch erhebliche Schwächen. Abgesehen davon, dass sie vielen Zuschauern während und nach dem Film Kopfschmerzen und Übelkeit bereitet, ist der endgültige Effekt sehr stark von der Sitzposition im Kino abhängig. So konnte ich beim Besuch von Avatar in der letzten Reihe des Hamburger Dammtorkinos nur einen eher mäßigen 3D-Effekt feststellen, der mich überhaupt nicht begeistert, sondern – ganz im Gegenteil – enttäuscht hat. Solange sie dieses technische Problem nicht in den Griff bekommen, wird es schwierig sein, Zuschauer vom Kauf einer (mit etwa 15 Euro) total überteuerten Karte zu bewegen. Da hilft es auch wenig, dass die Brillen zumindest modisch leicht zugelegt haben.
Aber der Start war gemacht, Avatar spielte am ersten Wochenende 240 Mio. US-Dollar ein. Und wenn es einen Trend gibt, versuchen alle davon zu profitieren. Samsung z.B. bewirbt aktuell seine neuen Modelle mit 3D-Funktion. Dabei setzt das Unternehmen einen Viral-Spot ein, der wirklich wunderbar zeigt, welche Vorteile 3D bieten könnte.
Was wird die Zukunft bringen? Bleibt es beim Hype oder wird 3D zukünftig der neue Standard für visionäre Erlebnisse? Dies wird vor allem davon abhängen, ob die Kinofilme neben dem dreidimensionalen Erlebnis auch von der Geschichte her mithalten können. Denn wie so viele technische Errungenschaften zuvor gewöhnt sich der Mensch an alles. Was bei Avatar noch “neu” und ungewohnt daherkommt, kann beim zweiten oder dritten Kinobesuch schon Routine sein. Auch der Home Entertainment Bereich spielt dabei eine große Rolle: Werden die Fernseher ein ähnliches Bild- und Raumerlebnis schaffen, und – vor allem – werden sie bezahlbar sein?
Der Hype wird zumindest für die nächsten Wochen und Monate anhalten, da zahlreiche Kinofilme speziell oder zusätzlich in 3D produziert wurden. Eine Auswahl davon findet ihr hier. Für die, die es gar nicht abwarten können, hier ein paar Trailer, was in Zukunft auf uns zukommen wird.
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