Schlagzeug auf Tisch, Sänger auf Barhocker, Bassist auf Sofa: So sieht in der Bernsteinbar im Hamburger Schanzenviertel das monatliche Event „Rocker vom Hocker“ aus. Kein Eintritt, dafür Musik aus verschiedenen Sparten. Einzige Bedingung: Es müssen sich Musiker finden, die keine Angst haben, ohne Netz und doppelten Boden auf die „Bühne“ zu steigen. Und davon gibt es in Hamburg einige.
„Open Mic“ nennt sich das System, bei dem Musiker – und die, die sich dafür halten – ans Mikrofon gehen können und vier Lieder aus ihrem Repertoire zum Besten geben. Von eigen komponierten Songs über Cover ist alles enthalten. Besonderer Reiz dabei: Viele der Band-Mitglieder haben vorher noch nie miteinander musiziert. Da heißt es schon improvisieren zu können, die Tonart zu finden und bloß nicht aus dem Takt zu kommen.
Das gelang in dieser Woche nicht allen. So geht schon mal der eine oder andere Akkord daneben, aber im großen und ganzen finden Gitarrist, Bassist, Schlagzeuger, Sänger, Trompeter und Digeridoo-Spieler einen gemeinsamen Nenner. Hin und wieder sind in der gerade mal etwa 100 Zuschauer fassenden Kneipe (gestapelt betrachtet) auch echte kleine Stars zu finden. So etwa Duncan Townsend and the drunken Townsmen, die über die Grenzen Hamburgs hinaus bereits Erfolge feiern konnten.
Dazwischen eine kleine Combo, die Cover-Versionen von „Get away“, „You oughta know“ und anderen Hits spielten. Im Anschluss – und für mich die letzte Band, da der Beginn von 21 Uhr kurzerhand aufgrund mangelndes Publikums auf 23 Uhr verlegt wurde – noch ein Jamie-Collum-Verschnitt (behaupteten zumindest die weiblichen Gäste), der großartige Singer-Songwriter-Qualitäten bewies.
Und hier eine kleine Anregung an die Musiker: Vielleicht lag es nur daran, dass ich zum ersten Mal dort war. Vielleicht auch daran, dass ich mich in der Hamburger Musikszene nicht auskenne. Aber es wäre schön gewesen, wenn die Musiker wenigstens irgendwo – sei es im Internet, auf Flyern, auf Bannern oder der Kreidetafel – ihren Namen und evtl. Internet-Adresse hinterlassen hätten. Denn viele von ihnen hätten es verdient, dass man sie woanders spielen lässt, dass man sich über sie informiert und eventuell – aber auch nur ganz eventuell – ihre Musik kauft. Schließlich ist Duncan Townsend auf so ziemlich allen sozialen Plattformen vertreten: Youtube, Facebook, Myspace, Myvideo, Twitter.
Fazit: Als Musik-Fan sollte man sich das zumindest einmal angesehen und angehört haben. Jeden letzten Mittwoch im Monat lädt die Bar zum kostenlosen Probehören.
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