Großes Geschrei im Blog-Aquarium: Basic Thinking hat sich entschlossen, seinen RSS-Feed zukünftig nur noch gekürzt anzubieten. Begründet wird dies mit Mindereinnahmen, wenn die Leute nicht mehr auf die Webseite gehen und dort Werbeeinblendungen angeboten bekommen. Dass dieser Schritt nicht von Begeisterung begleitet wird, musste eigentlich klar sein. Schließlich nimmt man seinen Lesern ein Höchstmaß an Service, den sie bisher durch die Nutzung von RSS-Readern genossen, und zwingt sie direkt auf das Blog. Zahlreiche gute Kommentare gibt es hier und hier. Aber abgesehen von richtig oder falsch stellt sich doch hier vielmehr die Frage: Müssen Blogs überhaupt refinanziert werden?

Gehen wir doch mal ein paar Formen von Blogs durch:

Private Blogs: Hier schreiben (so wie auch in diesem Blog) Menschen über Themen, die sie selber interessieren. Die Autoren wollen sich mitteilen, dabei Statements abgeben und (im besten Fall) gelesen werden. Weil es ihnen Spaß macht, sie dadurch ihre Reputation im Internet verbessern und manchmal sogar etwas in der Gesellschaft verändern können. Dabei können natürlich auch ein paar Euro im Monat durch Spenden oder Werbebanner reinkommen. Allgemein geht das private Blog aber doch eher als “Hobby” durch, für das man gerne etwas Geld investiert.

Blogs von Selbstständigen/Freelancern etc.: Das Blog ist eigentlich nichts anderes als eine Unternehmenswebsite. Lediglich interaktiv, auf anderer technischer Basis und oft mit einem anderen (lockeren) Schreibstil. Halt die Visitenkarte im Netz. Das Blog soll Person und Tätigkeit bekannter machen, die Möglichkeit der Vernetzung mit anderen Blogs schaffen und am Ende Aufträge generieren. Demnach sind die Kosten eines derartigen Blogs Marketing-Kosten und können dadurch u.a. auch von der Steuer abgesetzt werden.

Corporate Blogs: Corporate Blogs ermöglichen es Unternehmen, Themen zu besetzen, mit der Öffentlichkeit/Kunden/Jobsuchenden u.a. in Kontakt zu treten und gestatten Einblicke in die Firma. Damit sind sie zugleich CRM-, PR- als auch Recruiting-Tool und werden als solches vom Unternehmen bezahlt, bzw. werden Mitarbeiter als Redakteure zur Verfügung gestellt.

Viel mehr zu den verschiedenen Arten von Blogs gibt es hier.

Anhand dieser Beispiele wird sehr schnell deutlich, dass Blogs meist eine Funktion besitzen, die eine direkte Abstrahlwirkung auf den oder die Autoren bzw. das dahinterstehende Unternehmen hat. Und das sollte den Betreibern eigentlich Belohnung genug sein. Basic Thinking möchte – und das mit gutem Grund – unabhängig von dem damaligen Käufer Serverloft sein. Somit sehen sie sich eher als digitale Zeitung, deren Journalisten (zu Recht) bezahlt werden müssen. Allerdings nutzen sie zur Finanzierung Werbebanner, deren Einsatz auch bei großen Medien wie Verlagen scheinbar nicht den gewünschten Erfolg bringt. Ganz abgesehen vom uralten Vorwurf an Printmedien, keine Finanzierungsmodelle zu entwickeln, die dem Web 2.0 angemessen scheinen. Werbebanner sind nun auch nicht die zukunftsträchtigste Form der Refinanzierung.

Völlig unverständlich ist die einerseitige Forderung, es dem Konsumenten jederzeit so einfach wie möglich zu machen, auf ihn zu hören sowie auf seine Vorschläge zu hören und gleichzeitig sein Blog hinter einem Link zu verstecken. Viele werden RSS-Feeds, die nicht komplett ausgestrahlt werden, die Treue kündigen. Entweder werden sie sofort gelöscht oder nach dem x-ten Mal, wenn wiederholt nicht auf das verzweifelt klingende “mehr” geklickt wurde. Den RSS-Feed zu verkürzen ist schließlich nicht mehr als eine Preiserhöhung, die der Kunde nicht mittragen möchte. Auch wenn der Preis in diesem Fall “nur” Zeit und Aufmerksamkeit sind.

No related posts.

Ähnliche Artikel bereitgestellt von Yet Another Related Posts Plugin.