Letztlich erreichte mich von einem Journalisten und Blogger die Frage seines Chefredakteurs: “Welchen Output hat Social Media wirklich? Was bringt ein Tweet für Sales (also Verkauf)?” Im ersten Moment dachte ich: “Das ist wahrscheinlich die dümmste Frage, die man stellen kann.” Denn schließlich geht es bei Social Media in erster Linie um Insights, es geht um Kundenbindung, um Imageaufbau, um Dialog. Und letztendlich – im besten Falle – auch um einen Kaufabschluss. Andererseits ist das genau die Frage, die jeder Marketingverantwortliche stellen sollte. Denn schließlich möchte und muss er ja wissen, wofür er sein Budget (bzw. das seiner Firma) ausgibt. Aber was ist ein Tweet nun wirklich wert?

Vielleicht sollte man das Feld von hinten aufrollen und fragen: “Was kostet ein Tweet?” Zuerst mal nichts. Zumindest monetär nichts. Anmelden, eintippen, abschicken, fertig. Doch sooo einfach ist es nun doch nicht. Dass Social Media nicht kostenlos ist, haben schon einige erwähnt. Aber ein Tweet ohne Follower bringt auch nichts, da ihn niemand hört/liest. Ebenso wie eine Facebook-Seite niemanden erreicht, wenn sie niemand findet. Und auch ein Youtube-Video erreicht keine 2-Millionen-Marke, ohne dass man sich um die Verbreitung kümmert (Ausnahmen ausgenommen).

Denn immer wieder höre ich, dass Social Media die “kostengünstigste Form” der Werbung, PR oder sonstwas ist. Das überrascht erstmal, da ich bisher nicht wusste, dass eine Pressemitteilung hohe Kosten verursacht. Auch ein Anruf bei einem Journalisten oder das Vier-Augen-Gespräch hat im ehrlichen Sinne – bis auf Arbeitszeit – kein Geld verbraucht. Eine Facebook-Seite kostet auch im ersten Anschein nichts. Wenn sie allerdings vom Design und Konzept aus der Masse herausragen soll, benötigt man Designer und Konzeptioner. Man braucht evtl. einen Texter, der sich um den Content kümmert. Man braucht einen Community Manager, der sich um Fragen kümmert und darauf achtet, dass der gute Ton eingehalten wird. Und man braucht jemanden, der auf die Seite aufmerksam macht. Und das kann auf der einen Seite durch Mund-zu-Mundpropaganda geschehen, durch PR-Maßnahmen oder durch ganz klassische Banner-Schaltung. Und jetzt wird es doch erst spannend, nämlich in der Verzahnung mehrerer Kanäle, basierend auf einer Leitidee. Indem man z.B. bei Twitter auf neue Inhalte im Youtube-Channel hinweist. Die Videos in der Facebook-Page integriert. Oder auf der Unternehmens-Website die neuesten Meldungen einlaufen lässt: Twitter-Feeds, Facebook-Status, neue Bilder bei Flickr, neue Videos usw.

Aber zurück zur ROI-Diskussion, also dem Return on Investment: Kurzfristige Erfolge sind sicherlich zu erzielen, wie z.B. Subway gezeigt hat. Die haben über eine einfache Promotion-Aktion in kürzester Zeit über 200.000 Fans für ihre Facebook-Seite gewonnen (aktueller Stand: 1.400.000 Fans). Die klassischen Mechanismen scheinen also auch im Bereich Social Media zu wirken. Oder etwa doch nicht? Ist diese Aktion wirklich Social Media oder doch “nur” eine Online-Kampagne mit begrenzter Dauer? Bedeutet Social Media also eigentlich nicht mehr, als dass man für Banner-Aktionen zukünftig kein Geld mehr ausgeben muss, da die verschiedenen Plattformen Werbeplätze umsonst zur Verfügung stellen?

Nicht ganz. Denn genauso schnell wie die Fans in der Gruppe sind, so schnell sind sie auch wieder weg. Subway allerdings ist es gelungen, die Leute an seine Seite zu binden, und zwar mit immer neuen Themen, Sonderangeboten, Diskussionen, Fotos von Mitarbeitern und und und. Kurz gesagt, mit kreativen und unterhaltsamen Ideen. Doch auch dahinter steht ein Team, dass sich um Inhalte kümmert, für Ordnung auf der Seite sorgt und sich immer neue Themen und Angebote überlegt. Dafür revanchieren sich die “Fans” mit zahlreichen Kommentaren, Fotos und vor allem damit, dass sie sich mit der Marke beschäftigen. Und damit sind sie im besten Falle das, was sich jedes Unternehmen wünscht: Viele glückliche Kunden. Vor allem viele Kunden, denn durch die zahlreichen Angebote angelockt, zieht es sicher einige Kunden in die Läden. Und da die Gutscheine über Codes getrackt werden und man so weiß, woher der Kunde den Gutschein hat, kann man wiederum ziemlich genau nachprüfen, was die einzelnen Aktionen an ROI gebracht haben. Kostenlos ist diese Aktion auf Facebook also sicher nicht, aber vor allem eins nicht: umsonst.

Ach ja, “Was ist ein Tweet wert?” Das ganze geht natürlich auch über Twitter. Wobei Subway scheinbar leider verpasst hat, sich seinen Namen zu sichern. Aber über den offiziellen Account geht es ja auch.