Lange habe ich mich damit rumgeschlagen, diesen Blog-Beitrag zu schreiben, da ich hier eigentlich Sachen posten wollte, die mir gefallen. Aber eins muss ich doch loswerden: Dieses andauernde Konkurrenz-Bashing kotzt mich an! Ist es die Krise? Ein Zeichen von Unruhe? Erfreuen wir uns an den Missgeschicken anderer? Oder werden wir alle neuerdings immer frecher? Wo es früher noch darum ging, selber gute Leistungen zu zeigen, geht der Trend in letzter Zeit dahin, Konkurrenten schlecht zu machen.
Klar, das Internet fördert die freie Meinungsäußerung. Und wie toll ist es, dass wir persönliche Meinungen zu Produkten und Dienstleistungen lesen und uns dadurch informieren können. Doch was manche Unternehmen, Agenturen und Freie (welcher Social Media Berater sich nun angesprochen fühlt, ist selber schuld) sich im Netz erlauben, hat damit nicht mehr viel zu tun. Was würdet ihr von einem Metzger halten, der euch bei eurem nächsten Einkauf sagt: “Der Metzger gegenüber verkauft nur mieses Fleisch. Außerdem sieht seine Auslage doch wirklich grottenschlecht aus. Und haben Sie sich mal seine Aushilfen angesehen? Die haben doch bestimmt keine Ahnung von dem, was sie dort machen.”
Würdet ihr ihm glauben? Würdet ihr zukünftig lieber nur noch euer Fleisch bei ihm kaufen? Ich kann euch sagen, Unternehmen finden es gar nicht so geil, wenn jemand schlecht über ihre Kampagnen redet. Und glaubt ihr wirklich, nur weil eine Agentur in ihrem Blog schreibt, wie mies sie eine Kampagne findet, kommt das Unternehmen “Hopp-la-Hopp” zu ihr gesprungen? Glaubt ihr, zukünftig möchte ein Unternehmen mit jemandem zusammenarbeiten, der vorher seine Arbeit auf der Website eines Fachmagazins runtergemacht habt?
Das Wörtchen “#fail” hat sich zunehmend zum Sport entwickelt. Es gibt ein Failblog, ein weiteres Failblog und noch ein Failblog. Und wenn man bei Twitter mal nach “Fail” sucht, erhält man etwa 30-50 Ergebnisse…..pro Minute! Und wenn bei Horizont eine Kampagne mal nicht den Geschmack von allen trifft (oder – noch schlimmer – von der direkten Konkurrenz kommt), dann haut man gleich einen Kommentar darunter: “Das ist wohl die ätzendste Werbung des Jahres. Fail to (hier Agenturnamen einsetzen)!”
O.K. jetzt kommt wahrscheinlich: “Ja, aber das ist doch nur meine persönliche Meinung.” Nein, werde ich sagen, ist sie nicht. Nicht wenn man es unter dem Label der Agentur macht, nicht wenn man gleichzeitig unter dem Twitter-Account um Aufträge buhlt. Dann ist man kein Privatmensch mehr, der sich von mir aus seine persönliche Meinung erlauben darf. Dann macht man nur noch die Konkurrenz schlecht, und das finde ich persönlich nur noch schwach. Gibt es keinen Stil mehr in diesem Geschäft? Dann doch lieber ab in den fairen Zweikampf/Pitch/Wettbewerb.
Bei den Agenturen, bei denen ich bisher gearbeitet habe, gab es immer die Regel: “Wenn du nichts Gutes über die Konkurrenz zu sagen hast, sag einfach nichts.” Und damit bin ich all die Jahre ziemlich gut gefahren. Aber in letzter Zeit – und natürlich auf Twitter – nimmt das Konkurrenz-Bashing zu. Und scheinbar sind sich die Leute nicht einmal zu schade, es unter ihrem eigenen Namen zu tun:
Wer also jetzt kein Steve Ballmer, kein Apple oder Pepsi ist, sollte sich vielleicht mal überlegen, ob er mit seiner Strategie am Markt richtig liegt.
So, fertig. Danke fürs Zuhören und nun…weitermachen…oder eben nicht…


Unterschreibe ich! Alles!
Kann.Mich.Nicht.Beherrschen.
#FAIL
Zitat: “Wenn du nichts Gutes über die Konkurrenz zu sagen hast, sag einfach nichts.”
Dem muss man nichts weiter hinzufügen. Das Zitat sagt, was es zu sagen gibt. Nicht mehr und nicht weniger. Der Beitrag bekommt ein klares “Sehr gut” //Punkt
AMEN!
Daumen hoch. Dieser Artikel bekommt meine volle Zustimmung. Und der von eisy ebenfalls zitierte Satz “Wenn du nichts Gutes über die Konkurrenz zu sagen hast, sag einfach nichts.” ist die richtige Einstellung.
Moin!
Jawoll!
Doch ist das mit dem “Konkurrenz-Bashing” ja nur die Spitze des Eisberges.
Wildfremde Menschen werden über soziale Netzwerke niedergemacht (man denke da nur an einen früheren “Schlag den Raab”-Kanditen), jeder gibt in Foren sein mehr oder (meistens) weniger Fachwissen zum Besten, jeder wird irgendwo bewertet und bei Twitter werden Listen angelegt mit Bezeichnungen wie: “Idioten”, “Säcke” oder “looser”.
Sogar unser Pastor hier auf dem platten Land fühlte sich beim Thema “Online-Mobbing” zu einer Predigt inspiriert.
Leider scheint es nur allzu menschlich zu sein, lieber etwas negatives zu schreiben / zu berichten (s. Medien allgemein).
Energetisch betrachtet (Gesetz der Anziehung – LOA) ist das alles ganz und gar nicht förderlich.
“Wenn du nichts Gutes (über die Konkurrenz) zu sagen (oder zu schreiben) hast, sag (schreib) einfach nichts.”
Vielen Dank! Guter Artikel!
Liebe Grüße
DocGoy
Dem Beitrag kann ich leider nur von vorn bis hinten zustimmen, er trifft genau meine unausgesprochenen Gedanken zu diesem Thema.
Danke, danke, danke!!! Ich finde, das Web und vor allem Twitter sind mittlerweile unerträglich geworden aufgrund der ganzen #fail-Hysterie. Manche warten gerade darauf, endlich wieder was schlecht reden zu können. “…sag’ einfach nichts” – meine Rede!
So gerne ich lese was dir gefällt, so gut finde ich es auch mal zu hören, was dich ankotzt. Vorallem, wenn ich dir da nur zustimmen kann.
Erst mal vielen Dank für eure Kommentare!
@DocGoy: Ich bin absolut deiner Meinung, was die “bad comments are good comments”-Mentalität im Netz (speziell in Deutschland) angeht. In meinem Beitrag gehe ich aber bewusst die Werbung an, da ich dort arbeite, sie toll finde und es umso mehr bedauere, wie manche Akteure sich dort verhalten und das Ansehen der Branche (und damit sich selbst) derart beschädigen.
Ich finde ja auch, dass man sich durchaus Gedanken über den eigenen Tonfall machen muss. Aber fest steht für mich auch: Wer sich bewusst ins Social Web begibt, der muss auch mit Kritik – und zwar mit deutlicher – rechnen. Wenn’s einem in der Küche zu warm ist, sollte man kein Koch werden. Ich kann nicht positiven Buzz abgreifen wollen, aber die Kritik für unlauter erklären.
Aber ich finde es auch gar nicht so schwierig, mit der Kritik umzugehen. Denn Du hast ja recht: Es bringt den Schmähenden meist keine Vorteile – zumindest nicht beim kritisierten Unternehmen.
@Christian: Deine Meinung zu Kritik teile ich. Ich rede hier aber nicht von – berechtigter oder unberechtigter – Kritik, sondern – wie du selber so schön formulierst – von Schmähungen und Beleidigungen. Und das muss sich – selbst oder vielleicht sogar – im Social Web niemand gefallen lassen. Erst recht nicht, wenn sie aus einer Richtung kommt, die sich nicht konstruktiv mit einer Arbeit auseinandersetzen möchte, sondern deren einziges Ziel es ist, die Konkurrenz schlechtzumachen.
Hallo, ich finde das geht auch gar nicht. Nur habe ich bisher noch kein Unternehmen auf Twitter usw gesehen, welches andere runtermacht usw. Kann aber auch daran liegen, dass ich solchen Twitter Accounts einmal und nie wieder sehen würde.