Es gab viele Gerüchte über das erste “richtige” Google-Handy. Jetzt wurde es in den USA vorgestellt, und die ersten Reaktionen waren zumindest eher verhalten. Trotzdem war ich mehr als aufgeregt, als ich die Möglichkeit bekam, das Nexus One einen ganzen Abend zu testen.
Bevor ihr fragt, woher ich das Handy hatte: Stefan Keuchel ist Pressesprecher von Google, und ich hatte mit ihm noch eine Wettschuld offen. Der Termin bei der Pizzeria (anstatt Kasten Bier) war schon etwas länger geplant, umso mehr habe ich mich gefreut, dass er das Nexus One dabei hatte und es gerne aus der Hand gab.
Ich werde den Begriff “iphone-Killer” nicht in den Mund nehmen. (zu spät) Denn es macht meiner Meinung nach wenig Sinn, das iphone und das Nexus One direkt miteinander zu vergleichen. Manche Sachen kann man einfach nicht vergleichen, manche Sachen muss man erlebt haben. So wie ich zum ersten Mal einem Audi TT fahren durfte und nicht daran dachte, dass es kein Z4 ist. Wie ich mir meine erste Fender Stratocaster kaufte und ich keinen Gedanken daran verschwendete, dass es keine Gibson ist. Wie ich in den Big King biss und es nicht schlimm fand, dass es kein Big Mac ist. So ähnlich ging es mir beim Nexus One.
Deshalb hier mein persönlicher Eindruck eines Handys, dass schon beim In-die-Hand-nehmen einen “Will ich haben”-Reflex auslöst (Zumindest bei mir und einem anderen Anwesenden). Es liegt wunderbar in derselbigen und macht trotz Plastikgehäuses nicht den Eindruck von billiger Verarbeitung. Ganz im Gegenteil, es wirkt sehr wertig. Fangen wir also an:
Nach dem Einschalten ist es ziemlich flott einsatzbereit. Statt Sicherheits-Code nach dem “Sleep”-Modus muss man mit seinem Finger über den schnell ansprechenden Touch-Screen an neun kleinen grünen Punkten vorüberfahren, was beim ersten Mal echt beeindruckend ist. Allerdings sollte man schon etwas üben, denn zittrige Finger nimmt das Gerät schnell übel, so dass man das eine oder andere Mal zwei oder drei Anläufe benötigt. Ein weiterer Kritikpunkt ist der Home-Button. Statt eines richtigen Knopfes ist es beim Nexus One unterhalb des Touch-Screens in den Rahmen integriert und durch leichtes “Streicheln” zu aktivieren. Der Anschlagpunkt sollte beim Gerät noch einmal überprüft werden, denn es bedurfte doch mehrerer Versuche, zum Hauptbildschirm zurückzukehren.
Jetzt geht´s aber wirklich los. Die Programme finden auf 5 Screens Platz. Mehr gibt es nicht, aber keine Bange, in einer separaten Liste können unendlich viele(?) Apps angezeigt werden. Die Apps dazu findet man im Android-Market.
Ein echter Hingucker ist Google Streetview. Über Maps gelangt man auf so ziemlich jeden Platz der Erde. Wo ein Google-Fahrzeug bereits seine Runden gedreht hat, kann man sich nun auch mit dem Handy umschauen. Und das einfach so, indem man sich mit dem NexusOne dreht und es nach oben und unten wendet. Sieht von außen aus betrachtet seltsam bis dämlich aus, ist aber ziemlich imposant.
Ebenfalls nützlich (und außerdem auf jeder Party einen “Ohhhh”-Moment auslösend), ist die Bilderkennung über Goggles. Einfach irgendeinen Gegenstand fotografieren (in unserem Fall als Testobjekte eine Flasche Tabasco sowie eine Flasche Astra) und Goggles bietet in der Google-Suche gleich dieses Produkt mitsamt Bild und weiteren Informationen an. Weiteres Feature von Goggles ist, dass über die GPS-Koordinaten im Kameradisplay direkt angezeigt wird, wo etwas Sehenswertes in der Nähe zu finden ist. Bei uns zeigte es zum Beispiel den Michel an. Weitere Informationen dazu kann man natürlich ebenfalls abrufen.
Die Kamera kann übrigens überzeugen: Sie bietet Zoom, schnelles Scharfstellen und Blitz. Und sobald ein Foto gemacht wurde, kann es gleich auf Facebook, Twitter oder Picasa veröffentlicht werden. A propos Picasa: Das NexusOne synchronisiert sich ständig mit dem Bilderdienst. Somit kann man seine Picasa-Bilder jederzeit auf seinem Handy herumzeigen. Und das in ziemlich guter Qualität. Videos haben wir nicht getestet, kann man aber ebenfalls drehen.
Einzigartig ist sicher die Spracheingabe. Denn im Gegensatz zu anderen Handys kann man ganze E-Mails und SMS mündlich eingeben. Leider ist das mit der Spracherkennung auch 2010 noch so eine Sache. Von 3 Sätzen erkannte das Nexus One immerhin 2 komplett richtig, nur aus “My name is Peter” machte es “My name is pizza”, was zumindest für Erheiterung beim Empfänger sorgen dürfte. Zurzeit geht die Spracherkennung nur in englisch und chinesisch(?), deutsch soll aber in einigen Monaten verfügbar sein.
Leidiges Thema, der Akku. Und was soll ich sagen? Besser, ihr habt entweder ständig einen Ersatzakku dabei (Ja, man kann ihn austauschen) oder eine transportable Steckdose. Denn von morgens bis abends wird es mit dem Gerät bei intensiver Nutzung sehr eng. Telefonieren soll man mit dem Nexus One übrigens auch können, aber von uns hat das an diesem Abend keinen interessiert.
Fazit: Mir hats gefallen. Es ist sicher keine Revolution, aber so voll mit Apps aus dem Hause Google, dass man wochenlang Spaß daran hat. Für Gadget-Liebhaber ein Muss, für alle anderen gilt: Antesten, selber Meinung bilden.
Weitere Videos findet ihr hier.
Disclosure: Die Agentur Scholz & Friends, für dich ich arbeite, ist für Vodafone tätig. Vodafone wiederum ist der erste Mobilfunkanbieter, der das Nexus One in Europa anbieten wird.
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Hört sich doch ganz gut an, dann warten wir mal ab, wie sich die verkaufszahlen entwickeln.
und wie war das Multitouch-Feeling? Zoomen mit zwei Fingern etc.?
@Hagen: Leider kann ich dazu nichts sagen. In der Zeit, die wir hatten, um das Nexus One zu testen, haben wir uns auf wenige Applikationen beschränkt.
Schade, gerade das wäre interessant gewesen, da dies ja nicht in den ganzen Reviews aus den USA zu lesen war (da gibts ja kein Multitouch).
Trotzdem vielen Dank für die ausführlichen Eindrücke!