“Ein Literatur-Was?” war meine erste Frage, als ich über ein Event las, das meinem normalen Sprachgebrauch doch eher fremd war. Gefunden hatte ich es in dem Buch “Hamburg geheim”, das ich zum Abschied in die Ferne geschenkt bekommen hatte. Dort findet sich – neben vielen weiteren spannenden Geschichten – der Hinweis auf den “Literatur-Quickie” in der Vereinsstraße 38, nicht weit von Schanze und Schlump entfernt.


Wie muss man sich so einen “Quickie” vorstellen? Ganz einfach: Jeden Mittwoch um 22:30 kommen Autoren in die kleine Kneipe “439″ und lesen 17 Minuten lang etwas aus ihren Werken vor. Warum 17 Minuten? Genauso gut könnte man fragen, warum die Kneipe “439” heißt. (Heißt sie, weil in der Gegend die meisten Telefonnummern mit den Ziffern 439 beginnen.) Egal, zwei Freunde geschnappt und hin. An diesem Abend war Verena Carl zu Gast, die bereits zweimal den Literaturförderpreis der Stadt Hamburg gewann und seit zehn Jahren an der Elbe lebt.

Gegen 22 Uhr füllte sich die anfangs nur mäßig besuchte Kneipe. “Schau da, der Literatur-Papst aus Hamburg!” kam es von links. Einige bekannte Gesichter schien es an diesem Abend zu geben, als Neuling in der “Szene” fielen sie mir jedoch nicht auf. Leicht verspätet startete Verena Carl um 22:43 Uhr mit ihrer Lesung, einem Auszug aus einem neuen Manuskript. Es ging um eine WG, zwei Frauen, mindestens einen Mann – manchmal mehrere – Abende in der Wanne und Erinnerungen an früher. Nur vereinzelt störten leise Hüster die leidenschaftlich lauschende Stille. Und nach 17 Minuten (es wurde später kolportiert, es wären nur 16 gewesen) schloss Verena Carl ihren “Quickie” ab.

Es war definitiv ein Erlebnis, auch wenn mich das Buch nach dem Gehörten nicht direkt ansprechen wird. Aber kann man das nach 17 Minuten schon sagen? Wir jedenfalls haben uns vorgenommen, auf jeden Fall ein weiteres Mal dorthin zu gehen und einen weiteren “Quickie” zu probieren.

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