Seit dem 10. Juli gibt es in Hamburg das “Stadtrad“. An 67 Leihstationen im “erweiterten Innenstadtbereich” kann man sich ein Fahrrad ausleihen und die Stadt auf zwei Rädern erkunden. Ich habe es gestern per Zufall entdeckt und einfach mal getestet. Hier mein Erfahrungsbericht.

Vorab möchte ich sagen, dass ich das System einfach für genial halte. Statt mit der Bahn zu fahren oder gar mit dem Auto, nimmt man sich ein Fahrrad, kommt schnell überall hin und tut nebenbei sogar etwas für die Umwelt. Andere Städte haben es vorgemacht: u.a. Köln. Doch während Köln ein anderes System hat, muss man sich in Hamburg das Fahrrad an einer Leihstation holen. Und damit fing das Abenteuer an…


Als erstes muss man sich anmelden. (Online geht es natürlich auch) Von einem Freund hatte ich schon gehört, dass dies der schwerste Teil wäre. Und er hatte nicht ganz Unrecht. Denn meine EC-Karte wollte der Automat nicht akzeptieren. Also Kredit-Karte, schließlich ist es flexibel. Funktionierte. Nun noch Namen, Geburtsdatum, Adresse und Hosengröße eingeben und los. Los? Nicht ganz, denn vor dem Fahren hat Gott Stadtrad das Ausleihen gesetzt. Und das erwies sich als schwieriger als gedacht. “Kein Stadtrad verfügbar” meinte der Automat. Seltsam, dachte ich, angesichts dieser Lage:

Selbst mehrfaches Versuchen schlug fehl. Tja, ich muss dazusagen, dass ich schnell aufgab und weiterging. “Vielleicht beim nächsten Mal.” Das nächste Mal sollte sich 500 Meter weiter ergeben. Denn dort war die nächste Station. Also Karte rein und… Nichts. Diesmal wollte der Automat meine Karte nicht akzeptieren. Aber wir sind ja mobil, sprich Handy-unterstützt. Also nix wie die Hotline angerufen (die praktischerweise keine 50 Cent Plus kostet, sondern Ortsgespräch ist) und per Telefon ein Fahrrad geliehen. Denkste.

“Bitte geben sie mir die Nummer des Rads” sprach der außerordentlich nette Herr am anderen Ende des Hörers.

“8918″

“Oh, das ist leider gesperrt.”

Macht nichts, sind ja noch drei weitere da. “8867″

“Das ist auch gesperrt.”

Aller guten Dinge… “8789″

“Ähmm…. das ist jetzt schon ein wenig peinlich, aber es ist auch gesperrt.”

“Aus Spaß nehmen wir das letzte auch noch. 8700.”

“Das ist frei, hier der Entsperrcode: 5110.”

Nun musste ich nur noch den Entsperrcode am Touchpad des Rades eingeben und los ging die wilde Fahrt. “Wild” in dem Sinne, das ich seit 13 Jahren kein Fahrrad mehr besitze und dementsprechend auch nicht mehr geübt bin zu fahren. Aber wie heißt es doch so schön: “Das Fahrrad fahren verlernt man nie.” Stimmt, und so fuhr ich vom Grünen Jäger bis….na, wohin denn eigentlich? Denn leider stand am Terminal nirgends, wo die anderen Stationen stehen. Und schließlich muss ich das Rad ja auch irgendwo wieder abgeben. Also wieder angerufen. Die (wiederum sehr nette) Dame am anderen Ende des Apparats sagte mir auch gleich, wo ich mein Rad wieder abgeben könne: Mundsburg. Prima, das ist ja gleich bei mir um die Ecke. Dachte es und fuhr los. An der Mundsburg angekommen, musste ich jedoch leider feststellen, dass das mit dem Abgeben des Rades ein kleines Problem darstellen könnte.

Wem es nicht aufgefallen ist: Jeder Stellplatz war besetzt. Was tun? Die nächstgelegene Station wird zum Glück am Terminal angezeigt: Uhlandstraße. Also fuhr ich dorthin und gab mein Rad ab: Schloß anbringen, Nummer am Display ablesen, am Terminal ebenjene Nummer plus Nummer des Rads eingeben, fertig. Was hab ich bezahlt? 1,02 Euro für eine komplette Stunde Stadtrad, dank Bahn-Card. Hier die Preise im Überblick:

“Die erste halbe Stunde StadtRAD ist für die Nutzer kostenlos. Danach fällt eine  Leihgebühr von zunächst vier Cent pro Minute an und ab der 61. Minute von  acht Cent. Somit kann man für 1,20 Euro eine ganze Stunde unterwegs sein. HVV-Jahreskarteninhaber (Abonenten, Proficard, Semesterticket) und  BahnCard-Kunden zahlen drei bzw. sechs Cent je Minute. Der Höchstpreis pro  Tag beträgt 12 Euro.”

Finde ich mehr als fair. Vor allem, dass man eine halbe Stunde umsonst fahren kann. Gerüchten zufolge kann man “Stationen-Hopping” machen, also von einer Station zur nächsten fahren, Fahrrad wechseln und kostenlos weiter fahren. Werde ich demnächst mal testen. Die Fahrräder selber sind übrigens von der Qualität her sehr in Ordnung, dicke, unverwüstliche Reifen, stabile Rahmen und bequeme Sitze. Aufgrund des Schlosses und der Stabilität geschuldet sind sie leider ziemlich schwer und dazu noch hart gefedert, Sprünge und andere Tricks sollte man also damit nicht machen. Dafür sind sie mit 7-Gang Shimano-Schaltung und guten Bremsen ausgestattet. Außerdem rollt das Rad nach zweimal Treten bis zum Sanktnimmerleinstag.

Fazit:

Ein tolles Angebot mit kleinen Kinderkrankheiten, die hoffentlich bald behoben werden. Ansonsten sehr zu empfehlen. Die Preise sind OK, wer clever agiert, kann sogar komplett kostenlos fahren. Und mit 67 Stationen findet man eigentlich überall im Innenstadtgebiet ein Terminal. Ich finde es klasse und werde ab jetzt häufiger ein “Stadtrad” ausleihen und Hamburg auf eine neue Art kennenlernen.

Wer weitere Erfahrungsberichte lesen möchte, kann das u.a. hier, hier und hier machen.

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