Hochzeiten sind etwas besonderes. Sie sollen den Moment markieren, an dem man sich für den Partner fürs Leben entscheidet. Und deshalb wird dieser Augenblick von den meisten Menschen als “Der schönste Tag in meinem Leben” bezeichnet. Wobei, oft trifft das leider nicht zu: Monatelanger Stress geht ihm voraus, Überlegungen über den Ort, das Menü, die Gästeliste und vieles mehr, was man gerne dem Hochzeitsplaner – oder neudeutsch “Wedding Planner” – überlässt. Denn am Tag der Hochzeit geht es doch in Wirklichkeit nicht darum, selber den “schönsten Tag” zu verleben, sondern seinen Eltern, Groß- und Schwiegereltern zu gefallen. Und dies führt meist dazu, dass es auf Hochzeiten (zumindest während der Trauung) eher stocksteif zugeht.

Es könnte doch so einfach sein: Locker sein, entspannt sein, sich nicht so viele Gedanken machen, sondern es einfach passieren lassen. Ein Beispiel, wie man es machen kann, präsentieren diese Amerikaner, die den Einmarsch in der Kirche einfach neu interpretiert haben:

Und auch der Hochzeitstanz bietet viele Möglichkeiten, sich künstlerisch zu entfalten:

Oder so:

Hochzeiten scheinen also viel Raum zum kreativen Austoben zu geben. Bei anderen Gelegenheiten wird eher nach Standard verfahren. So machen sich viel zu wenig Menschen heutzutage Gedanken über ihr Begräbnis. Ist ja auch nicht wirklich ein Thema, über das man gerne spricht. Warum eigentlich nicht? Ich finde nichts schlimmes daran. In Mexiko beispielsweise wird der “Dia de los muertos” als Feiertag begangen, ähnlich Halloween. Ein Beispiel dafür, wie andere Kulturen mit dem Tod umgehen. In Deutschland dagegen ist es ein Tabu-Thema, über das man am liebsten nicht spricht. Dabei betrifft es uns alle – früher oder später. Als meine Großmutter im hohen Alter starb, hatte ich die Ehre, die Rede während der Trauerfeier zu halten. (Warum nennt man das eigentlich Trauer”feier”, wenn doch alle weinen?) Ich hätte auf die Tränendrüse drücken können, erzählen können, wie sehr wir sie vermissen und dass es lange dauern wird, bis wir über diesen Verlust hinwegkommen werden.

Stattdessen wollte ich, dass die Menschen, die da waren, sich an die Frau erinnern, die ich im Gedächtnis hatte: Eine rheinische Frohnatur, fürsorglich, fröhlich, ehrlich, manchmal so ehrlich, dass einem das Wort im Halse stecken blieb. Mit Kanten und Ecken, aber immer herzlich. Und das ging nun mal besser, indem ich an all die fröhlichen Gegebenheiten mit ihr erinnerte, an lustige Sprüche, an Scherze, ja, mich sogar etwas darüber lustig machte, wie sie einfach gewesen ist. Es war die erste Beerdigung – soweit ich mich erinnern kann–, bei der lauthals gelacht wurde, und Tränen flossen, bei denen ich nicht weiß, ob vor Lachen oder vor Traurigkeit. Ich glaube, meine Großmutter hätte es ganz genau so gewollt.

Und auch ich möchte, dass meine Beerdigung eine Trauer”feier” wird. Von meinem (hoffentlich noch vorhandenem) Erbe soll eine Party gegeben werden, trauernde Menschen möchte ich nicht sehen. Am liebsten hätte ich es, wenn die Gäste an diesem Tag tanzen und feiern und sich nur lachend an mich erinnern. Denn auch wenn uns der Tod etwas nimmt, dass wir gerne noch so viel länger bei uns gehabt hätten, so hätten die, die von uns gegangen sind, sicher nicht gewollt, dass wir ihretwegen Schmerz empfinden.

In Erinnerung an meine Großmutter, eine fantastische Frau.

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