Ein Bekannter erzählte mir letztlich eine interessante Geschichte: Auf seiner halbjährigen Weltreise traf er in Südamerika ein Pärchen. Der Mann berichtete, dass er Programmierer sei und eigentlich in Australien lebe. Zurzeit würde er für einen Kunden an einem Projekt für eine Webseite arbeiten. Irgendwann wäre ihm aufgefallen, dass er mit seinem Arbeitgeber lediglich über Internet, Mail und Skype Kontakt hätte. Warum säße er dann in seinem stickigen Büro, anstatt die Welt zu erobern? Sprach es, nahm seinen Laptop, seine Freundin und machte sich auf den Weg, fremde Länder zu bereisen. Arbeiten könne er ja immer noch, vorausgesetzt, er halte die Zeitverschiebung ein, damit es niemandem auffalle. Drei Monate sei er so schon unterwegs, klinke sich regelmäßig bei Skype ein, erstatte seinem Brötchengeber Bericht und mache in der übrigen Zeit Stadtbummel mit Foto-Sessions in Ländern wie Neuseeland, Japan, Chile und Mexiko. Was mich zu der Frage bringt: Wie viel Büro brauchen wir in Zukunft eigentlich noch? Müssen wir tatsächlich dort leben, wo unser Arbeitgeber seinen Standort hat? Oder geht nicht auch alles übers digitale Netz?

In den letzten Jahren ist es für Arbeitnehmer unerlässlich geworden, lokal flexibel zu werden. Wo die Leute früher oft von Geburt bis zu ihrem Tod in ein und derselben Stadt gearbeitet haben, müssen sich gerade junge Leute darauf einstellen, ihren Lebensraum mehrfach zu wechseln und längere Aufenthalte an wechselnden Orten einzukalkulieren. Vor allem Menschen mit Familien setzt diese Lebensweise vor einige Probleme. Ein Kollege von mir fährt jeden Morgen mit der Bahn von Hamburg nach Berlin und abends wieder zurück. Bei einer – zwischenzeitlichen, von Reparaturarbeiten bedingten – Reisezeit von 2:40 Std. sind das fünf Stunden am Tag, die er im Abteil der Deutschen Bahn verbracht hat. Könnte das nicht viel einfacher sein?

Lokal anwählbare Server sind durch die Einrichtung von Wikis und virtuellen Arbeitsräumen überflüssig geworden. Büros kosten Unmengen Geld, das der Arbeitgeber sparen könnte, wenn er die Leute von Zuhause (oder in Internet-Cafés) arbeiten lassen würde, die keinen direkten Kundenkontakt hätten. Layouts auf Papier sind sowieso sooo 1998, und zeitraubende Gespräche in der Kaffeeküche würden der Vergangenheit angehören. Heutzutage kommunizieren wir gar nicht mehr Face-2-Face, sondern nur noch per Instant Messaging, Mail oder Telefon. Der Zimmernachbar, der sein übel riechendes Wurstbrot jeden Morgen laut schmatzend verzehrt, würde ebenso kein Problem mehr darstellen wie die immer weiter steigenden Kosten für Kaffee, Tee, Strom, Reinigungspersonal,das subventionierte Frühstück, Fitnessraum, Kugelschreiber, Kopier- und Toilettenpapier.

Außerdem ist Arbeiten an der frischen Luft eh viel gesünder. Warum im stickigen Büro schmoren, wenn die Parkbank mit Sonnenschein und Latte Macchiato ruft? Wird es in Zukunft vielleicht wieder eine Gegenbewegung geben, in der Arbeitnehmer ihren Lebensraum selber bestimmen können, da ortsunabhängig gearbeitet werden kann?

Dazu auch ein sehr spannender Vortrag von Richard Florida über Städte als Konzentrationszentren von Produktivität, Kreativität und Trendsetting und somit als identitätsstiftende Kraft für den Einzelnen:

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