Lukas hat einen Artikel auf seinem Blog geschrieben, der mir aus der Seele spricht und der mich veranlasst hat, etwas zu schreiben, was mir schon lange unter den Nägeln brennt: Jeder von uns kann seit einigen Jahren Redakteur und Verleger sein. Wir haben die Möglichkeit, Informationen und Meinungen innerhalb von Sekunden zu verbreiten – über Blogs, Twitter, Facebook, Youtube und viele weitere Plattformen. Doch müssen wir auch alles veröffentlichen, nur weil wir die Macht dazu haben?
Ich rede bewusst von Macht, denn der Einfluss Einzelner ist heutzutage so groß geworden wie der einer Tageszeitung einer Kleinstadt. So mancher Blog hat täglich mehrere tausend Besucher und erreicht dadurch viele weitere, da die Botschaft weitergetragen und somit vervielfacht wird. “Aus großer Macht folgt große Verantwortung” heißt es nicht nur bei Spider-Man. Jeder von uns sollte sich also Gedanken machen, was er publiziert. Wir sollten nicht von uns auf andere schließen, denn nicht alle sind froh darüber, wenn über sie im Internet berichtet wird. Andererseits sollten wir genau dies tun, nämlich uns überlegen, ob das, was wir uploaden, andere auch mit uns machen sollten.
Beispiel: Eine asiatische Dame verzweifelt am Airport, weil sie ihr Flugzeug verpasst hat. Jemand nimmt das Überwachungsvideo und stellt es auf Youtube. Wir lachen darüber und schicken es weiter und weiter. So schauen sich innerhalb weniger Stunden mehrere Millionen Menschen dieses Video an. Für uns kein Problem, da wir Tausende von Kilometern weit entfernt wohnen und uns diese Dame ziemlich egal sein kann. Doch was wäre, wenn es einer Freundin aus dem Bekanntenkreis passiert wäre? Würden wir dann immer noch so lachen, wenn sie sich morgens nicht mehr aus dem Haus traut, weil sie Angst hat, dass man sie auslacht oder weitere Videos von ihr macht?
Wenn es die “Großen” machen, also Boulevardmagazine und Fernsehsender, beschweren wir uns und schimpfen, dass sie Menschen der Öffentlichkeit preisgeben. Selber allerdings haben wir kein Problem damit, die Verfehlungen unserer Mitmenschen dem weltweiten Publikum mitzuteilen. Und wir haben keine eigene Schlussredaktion, eine zweite Meinung, die im Notfall eingreifen kann/sollte.
Ich persönlich möchte nicht, dass Fotos, Videos oder sonstige Aufnahmen von mir ohne meine Zustimmung ins Netz gestellt werden, solange ich mich in einem Raum befinde, den ich nicht für “öffentlich” halte und in den ich mich nicht freiwillig begeben habe. Ich möchte nicht, dass Fotos der letzten Weihnachtsparty, auf der ich vielleicht ein Bier zuviel getrunken habe, bei Facebook landet, mit meinem Namen versehen, so dass Google es sofort findet. Und nur, weil ich es kann, twittere ich nicht, dass ich Menschen bei einer peinlichen Begebenheit erwischt habe und stelle ein Foto davon online. Eigentlich frage ich jeden um Erlaubnis, ob ich sein Foto twittern darf. Das mag zwar etwas übertrieben sein, jedoch wissen die meisten meiner Bekannten nicht, dass sie dann wirklich von jetzt auf gleich im Internet stehen. Stehe ich bei einer Veranstaltung auf einer Bühne, ist das etwas anderes, denn dort gehe ich bewusst in die “Öffentlichkeit” und weiß, dass ich gefilmt, fotografiert oder zitiert werden kann.
Lukas bringt es ganz gut auf den Punkt:
Die Frage, die man sich beim Schreiben von Twitternachrichten (beim Verfassen von Blogs, beim Einstellen von Youtube-Videos etc. Anmerkung des Verfassers) stellen sollte, ist nicht “Würdest Du das Deinem besten Freund erzählen?”, sondern “Würdest Du das Deiner Mutter, Deinem Partner, Deinem Chef und allen Menschen im Ruhrstadion schriftlich geben?”
Was ist eure Meinung? Dürfen wir in der heutigen digitalen Zeit alles, nur weil wir es können?
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Ja.
@Matt: Eine sehr traurige Einstellung. Aber wenigstens hast du deine Meinung detailliert ausgedrückt und mit Fakten untermauert.
Der Beitrag spricht mir aus der Seele. Nicht umsonst heißt es Social Media und nicht Asozial-Media.
Man sollte nachdeenken, bevor man schreibt und ja, man sollte zwei mal nachdenken, bevor man über jemand anderen schreibt und sich fragen: möchte ich so was über mich lesen?
Mir selbst ist die eigentliche Tragweite von all dem erstmals bewusst geworden, als ich vom Konzert einer befreundeten Band getwittert habe und meine Tweets am Tag danach in der Lokalzeitung zitiert wurden.
Natürlich hatten sie da im Zweifelsfall weniger Leser als im Netz und es ging ja auch um nichts verfängliches, aber da wurde mir klar, dass man unentwegt zitierfähiges Material raushaut, das jederzeit auf einen zurückfallen kann.
Wie bitte, wie war die Überschrift? “Think before you publish”? Den Artikel hättest du dir mehr als sparen können.
Vorallem, da du seit über einen halben Jahr Artikel schreibst und ganz genau weißt, was du veröffentlichst und was nicht, ist die Frage nach einer Grenze zwischen Privat/Öffentlich schon längst beantwortet.
Dieser Schein-Artikel dient nur deiner Langeweile. Du hast das System schon längst begriffen.
Schade drum.
Frage ist, ob Markus das System verstanden oder Hans den Artikel eher NICHT verstanden hat.
@Karin: Du nimmst mir die Worte aus dem Mund.
@Hans(?): Es geht mir hier nicht um ein “System”, sondern darum, dass jeder von uns sich Gedanken darüber machen sollte, was er im Internet veröffentlicht. Erst recht, wenn er damit jemand anderem Schaden zufügen kann.