Träumen wir nicht alle vom großen Geld? Und sparen wir nicht alle – die einen mehr, die anderen weniger – darauf hin, später einmal eine Weltreise zu unternehmen, ein Eigenheim zu besitzen oder das Wunschauto zu kaufen? Möglichkeiten, über das benötigte Budget zu verfügen, gibt es viele: Riester-Rente, Bausparen, Lotto spielen, bei „Schlag den Raab“ mitmachen oder aber ganz einfach: Kleingeld sammeln.
Wie viele sammeln eigentlich ihr Kleingeld? Und warum? Eine Theorie geht weit in die Vergangenheit zurück. Dort gab es den Brauch, dass eine Frau ihre Brautschuhe nur mit Kleingeld bezahlen sollte, damit der Ehemann sieht, wie sparsam sie ist. Ein anderer Grund ist die Begeisterung, mit der Menschen ihre gefüllten Vasen beim Abendessen den Gästen präsentieren, das hat schon etwas: „Schaut mal, wie viel Geld wir schon gesammelt haben.“ Meist sind es tatsächlich Paare, die sammeln. „Wenn die Behälter voll sind, kaufen wir uns davon was Schönes“, heißt es dann gerne.
Was ist nun wirklich der Sinn hinter der Sammelleidenschaft? Das Problem fängt ja schon einmal mit dem Aufbewahrungsort an. Beliebt sind Glasbehälter, sodass man jederzeit erkennen kann, wie viel Geld man angehäuft hat. Oft kommt es zu der Situation, dass man genau in diesem Moment das Kleingeld gut gebrauchen könnte, für Zigaretten, fürs Pokern oder für die kleinen Schulden, da man sich beim Kumpel mal fünf Euro geborgt hat. Dann heißt es „Ausschütten“. Dieser Vorgang führt dazu, dass sich 148,76 Euro – ruckzuck – auf dem Küchentisch wiederfinden.
Das zweite Problem ist das „Eintauschen“, also wie bringe ich das Geld zur Bank? Hier haben sich zwei Strategien „bewährt“: Rollen und die Zählmaschine. Rollen ist der eigentliche Spaß am Sammeln. Die ganze Familie findet sich zusammen und nimmt die kleinen blauen und braunen Papiere in die Hand, um damit die Münzen in handliche Röhren zu verwandeln. Meist ergibt sich daraus ein interner Wettkampf, wer am schnellsten rollen kann. Andere nehmen ihre riesigen Gläser, schütten das gesamte Geld in Plastikbeutel und gehen damit zur Bank.
Dort findet man sich vor dem Automaten wieder. Ein Blick genügt und man entdeckt, dass eine Karte benötigt wird. So stellt man sich also erst mal am Schalter an. Drangekommen erklärt man das Problem, wird etwas komisch angesehen (“Aha, wieder so ein Pfennigfuchser”), erhält seine Karte – nachdem man bewiesen hat, dass man Kunde der Bank ist – und kehrt zurück zum Automaten. Dort hat sich mittlerweile eine lange Schlange eingefunden. Oma Müller fängt an, münzenweise ihre Ersparnisse in den Schacht zu werfen. Langsam, denn zählen kann die Maschine schließlich nur genauso schnell wie ihre Benutzerin. Die Hälfte kommt allerdings unten wieder raus. Also oben wieder rein. In dem Moment geht aber auch schon die Klappe zu. Ratter, schnatter, rüttel, zisch… Nach etlichen Sekunden öffnet die Maschine wieder ihren Schlund. Jetzt aber! Nächster Schwung, es zählt jetzt jede Sekunde, denn…Zack! Feierabend! Mehr als zwei Kunden nacheinander werden hier nicht bedient. Da könnte ja jeder kommen.
Nichts geht mehr. Also wird der Bankangestellte gerufen. Dieser kommt prompt, sieht sich das Schlamassel an und beschließt, erst mal seinen Kollegen zu holen, denn der hat den dafür benötigten Schlüssel. Kollege kommt, nach endloser Zeit, schließt den Automaten auf, rüttelt zweidreimal, und schon gehts wieder. Jedoch nicht lang, denn kaum ist man an der Reihe, fällt einem das kleine Schildchen auf: “Pro Tag werden nur Beträge bis 120 Euro angenommen.” (oder so ähnlich) Da sich in dem Beutel allerdings – nach reiflicher Prüfung durch Augenkontakt – etwa 450 Euro befinden, bedeutet dies, dass man sich für die nächsten Tage in der Mittgspause nichts vornehmen sollte.
Die Nicht-Kleingeldsammler sind übrigens nicht viel besser: Diese finden sich nämlich zu 95 Prozent vor mir an der Kasse im Supermarkt wieder. “Moment, die 42 Cent habe ich auch noch klein!” Und am Ende ist das Portemonnaie zwar leer, die Schlange hinter ihm aber voll….
Dass ich Online-Banking mache und gerne bargeldlos zahle, muss ich wohl nicht erwähnen. Und am allerliebsten würde ich wohl mit dem Telefon bezahlen können, aber das ist ein anderes Thema für eine andere Geschichte….
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