In einer internationalen Welt wie unserer ist es hilfreich, einen Vornamen zu besitzen, der auch im englischen einfach auszusprechen ist und im Spanischen möglichst nicht etwas ungezogenes heißt. Eltern sollten sich deshalb schon früh darum Gedanken machen, ob ihr Kind vielleicht eines Tages internationalen Kontakt haben, oder doch lieber eine urdeutsche Kneipe eröffnen soll.
Mit meinem Vornamen kann ich in den meisten angelsächsischen Ländern problemlos hausieren gehen. Mit der Aussprache muss ich etwas aufpassen, doch im Großen und Ganzen klappt das ganz gut. In Spanien dagegen werde ich gerne „Marco“ gerufen. Weils einfacher zu verstehen ist. Es ist halt ein altlateinischer Name, der mir selber wunderbar gefällt, für viele Eltern jedoch zu „deutsch“ rüberkommt. Diese geben ihren Kindern lieber Namen wie „Elvis, Taswell und Calle.“
Wobei man darauf hinweisen sollte, dass „Calle“ im Spanischen „Straße“ heißt und dem Sohn das Leben in Spanien und Südamerika sicher nicht einfach machen wird. Andere nennen ihren Nachwuchs nach indianischen Ritualen: „Salucwa“ beispielsweise, das soviel heißt wie „Aufgehende Sonne“. Die Tochter wird es damit in der Schule nicht immer einfach haben, einzigartig ist es hingegen schon. Aber es kann tatsächlich noch schlimmer kommen.
Eine Bekannte von mir ist Lehrerin an einer Grundschule. Dort ist ein Genpool für ungewöhnliche, manchmal auch einfach peinliche Vornamen. Letzlich war wieder einmal Vor-Einschulungszeit, die Eltern kommen vorbei und präsentieren stolz ihren Nachwuchs für das nächste Schuljahr. Im allgemeinen Trubel sind stest die gleichen bekannten und beliebten Vornamen zu finden: Lena, Lukas oder Tim. Über türkische Namen wie Ahmet oder Yasemine wundert sich niemand mehr, auch indische, italienische und asiatische Vornamen sind mittlerweile gebräuchlich und ergänzen die Tafeln über den Hausschuhen im Eingangsbereich. Ein Junge – beide Elternteile waren erschienen – stellte sich mit den Worten vor „Hallo, ich heiße Üffes.“ Seltsam kam das meiner Bekannten nicht vor, könnte ja ohne Weiteres ein arabischer Name sein. Allerdings sahen weder die Eltern noch das Kind selbst im Entferntesten arabisch aus. Doch von solchen Kleinigkeiten haben sich Pädagogen noch nie einschüchtern lassen. „Wird schon stimmen.“
Also weiter im Text, Formular rausgeholt, den Eltern überreicht und ausfüllen lassen. Adresse, Geburtsdatum, Religion: So weit kein Problem für das Lehrerkollegium. Der geschriebene Vorname von „Üffes“ jedoch ließ Sorgenfalten auf ihrem Gesicht erscheinen: „Yves“
Vorsichtig und mit der gelernten Sorgfalt jahrelangem Studiums sprach meine Bekannte die Eltern auf die ungewöhnliche Aussprache des Namens an. „Wir haben den Namen einige Male in der Zeitung gelesen und fanden ihn toll. Deshalb haben wir uns für diesen entschieden.“ Und so heißt das (5-jährige!) Kind seit Geburt “Üffes” und nennt sich auch selber so. Mal sehen, wie lange noch….
Spätestens nach diesem Erlebnis sollte man sich überlegen, wie international Vornamen wirklich sein sollten oder ob es nicht doch ein „Carsten“, ein „Peter“ oder eine „Stefanie“ tut.
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Mit diesem Posting sprichst Du mir aus der Seele.
Wenn man sich meinen Namen anschaut, wird man sich vorstellen können, dass ich selbst Einiges an Spott in der Schule über mich ergehen lassen musste. “Wie die Sachertorte”, war einer der Sprüche, die ich auch heute noch oft genug zu hören bekomme und die ich einfach satt habe. Im Ernst: Meint jemand, diese Wendung sei neu für mich, originell oder gar lustig?
Eltern versuchen sich viel zu oft über die Namen ihrer Kinder zu verwirklichen und bedenken dabei viel zu selten, dass ihre Sprösslinge ein Leben lang darunter leiden könnten.
Ich war gerade das erste Mal seit sehr langer Zeit in den USA. Dort konnte kaum ein Ami meinen Namen korrekt aussprechen, irgendwann meinte ich resigniert “Call me Bob, Jim or whatever You like”.
Wenn ich irgendwann selbst Kinder in die Welt setzen werde, werde ich nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner suchen und sie auf einen sehr internationalen, gewöhnlichen Namen taufen. Mich in meinen Kindern verwirklichen kann ich besser über Erziehung und die Weitergabe von Werten.
Vor allem sollte ein Vorname zum Nachnamen passen. Oder würde irgend jemand einen Juan-Django Müller einstellen?
Uiii, schönes Ding!
Erinnert mich an einen Sketch von Michael Mittermayer wo er über die Ostdeutschen Sprachgewohnheiten herzieht und ein Autogramm für “Mörtschel” geben soll! Das damit der gute “Marcel” gemeint ist errät auch nur wer den “Ossisch – Deutsch-Duden” besitzt.
Und mein ehemaliger Arbeitskollege war ein Opfer der Hessischen Mundart als er dort immer “Boschkoi” gerufen wurde! Der arme “Pascal”!
Obwohl ich mit der pronunciation im englischsprachigen Ausland auch so meine Probleme habe: Ändruw will ich nicht sein, Ändy provoziert sofortiges Backenfutter und An-dre (wie DrDre oder Andre3000) geht mir schwer über die Lippen.
Ansonsten bin ich mit meiner Namenswahl sehr zufrieden…
Schönes Blog @Markus!
der * andre
@der * andre: Vielen Dank!
Was man nicht alles findet, wenn man nach seinem eigenen Namen sucht…
Zum Thema möchte ich dann doch meinen Senf abgeben:
In der Grundschule war ich vielleicht noch nicht so ganz einverstanden und wusste nicht mit meinem Namen umzugehen. Das hat sich zum Glück im Laufe der Zeit geändert.
Inzwischen bin ich froh einen NAMEN und keinen Sammelbegriff zu haben.
Auch meinen Kindern habe ich keine “alltäglichen” Namen gegeben. Vom täglichen Einerlei der hundertsten Marie oder Lena, dem x. Paul oder Ali halte ich nämlich nichts.
Aber wie sagt man so schön: Jedem Tierchen sein Pläsierchen… In diesem Sinne: Viel Erfolg bei der Namensfindung für Eure Kinder – seit euch gewiss: Irgendjemand weiß IMMER ein Gegenargument
Gruß
Salucwa
@Salucwa: Danke für deinen Kommentar. Wie gesagt: “einzigartig”.
Ähnlich sehe ich ja auch meinen Nachnamen, denn obwohl ich ihn jedes Mal neu buchstabieren muss, bin ich doch froh, etwas außergewöhnliches zu haben.