In meinem Heimatort gibt es eine kleine Kneipe, den „Uhu“. Seit ich denken kann, wacht der Vogel als Symbol im Fenster der Gaststätte. Hineinschauen kann man nicht, denn die Fenster sind aus dickem Glas (ähnlich dem, das gerne früher bei Turnhallen verwendet wurde), aber das scheint auch nicht beabsichtigt zu sein. Denn Gäste sind hier eigentlich nicht gewollt. Bei uns hatte es sich zum Running Gag entwickelt, wenn wir sagten: „Sollen wir heute in den Uhu gehen?“ Denn 1. wusste man gar nicht, ob die Kneipe auch geöffnet war, und 2. hatte man noch nie jemanden hinein, geschweige denn hinausgehen sehen. Licht brannte schon, hin und wieder zumindest. Jedoch war es, als gäbe es eine Schwelle, die keiner übertreten dürfe, eine imaginäre Aussage des Besitzers: „Keep out!“
Viele Jahre dachte ich, dass der Uhu wahrscheinlich das Hobby eines alten Mannes sein musste, der sein Leben gut gespart hatte, bereits Rente verdiente und sich nun den Traum einer Bar geleistet hatte, die nur allein für ihn und seine Freunde öffnete. Andererseits….denke ich nun anders. Denn ich habe in Hamburg die wohl einsamste Bar der Stadt, wenn nicht sogar des Landes, entdeckt. Gleich bei mir um die Ecke liegt sie, und ich habe mir bei den ersten Malen, die ich an ihr vorbeiging, auch gar nichts weiter gedacht. Eine Cocktailbar wie viele andere, zumindest ließen das Möbiliar und die Bar darauf schließen. Eines machte mich jedoch stutzig: Nie, aber auch wirklich nie(!) habe ich auch nur einen einzigen Gast dort drin erblickt.
Keine Gäste, OK, das muss ja nichts bedeuten. Jedoch fehlt auch die Bedienung. Irgendjemanden muss es aber geben, der sich um diese Lokalität kümmert, denn nicht nur, dass das Licht regelmäßig an- und ausgeschaltet wird, auch die Kerzen brennen runter und wieder rauf, runter und rauf. Irgendwie erinnert das Geschehen an eine Geisterstadt, in der wie von Zauberhand zwar alle Geräte funktionieren, ein Mechaniker aber nie zugegen ist.
In jeder Stadt gibt es Eckkneipen, deren gelbe Milchglasscheiben jeden Einblick von außen verwehren. Kneipen, in denen die Leute gerne einkehren, da sich die Gäste alle mit Vornamen kennen:
Kneipen, in die die Stmmgäste jeden Abend auf ihr Bierchen und/oder eine Runde Skat vorbeikommen, über alte Zeiten philosophieren und über die Jugend schimpfen („Früher gabs das nicht“). Kneipen, in denen einem Unbekannten beim Eintreten ein gepflegt fröhliches, unausgesprochenes „Fremde mögen wir hier gar nicht“ entgegenschallt.
Mit solchen Kneipen kann ich gut umgehen. Entweder man geht rein, übersteht den ersten Muffel und bleibt auf ein Bier, weil man sich trotz Unwohlsein nicht traut, gleich wieder zu gehen. Oder man lässt es lieber bleiben, weil man das ungute Gefühl hat, dass es keine gute Idee wäre, seine Rhabarberschorle oder seinen Mai Tai dort trinken zu wollen. Aber Kneipen, die keinen Sinn zu besitzen scheinen?
Jetzt könnte man einige Worte über Geldwäsche oder ähnliches verlieren, aber ich glaube irgendwie noch an das Gute. Die schönste Theorie, die mir in den Sinn kam, ist die eines Mannes, der vor vielen vielen Jahren diese Bar gegründet hat, eine schöne Zeit dort verbrachte, eine ordentliche Anzahl Gäste hatte und mit sich und der Welt im Reinen war. Eines schönen Tages kam eine wunderhübsche Frau zur Tür herein, mit einer Rose in der Hand. Sie setzte sich an einen Tisch und wartete. Ihr Blind Date müsse jeden Moment kommen, sagte sie dem Wirt. Nach einer Stunde langen, vergeblichen Wartens musste sie erkennen, dass sie wohl versetzt worden war. Der Wirt jedoch hatte sich vom ersten Moment an in sie verliebt. Er setzte sich zu ihr an den Tisch, und sie redeten den ganzen Abend lang, bis zum frühen Morgen. Ein erster (und letzter) Kuss beendete diesen wunderschönen Sugenblick. Der Wirt und die Frau versprachen sich, sich am nächsten Tag wiederzusehen. Doch am nächsten Tag sollte sie nicht zurückkehren. Und auch die Tage darauf wartete der Wirt vergeblich auf seine Angebete. Was war passiert? Er sollte es nie erfahren. Am Boden zerstört, aber in der Hoffnung, dass sie zurückkommen würde, schloss er die Bar, ließ jedoch stets ein Licht brennen, so dass sie – sollte sie je wieder vor seiner Tür stehen – wissen würde, dass er auf sie wartet….(Nur eine Theorie)
Irgendwann einmal werde ich in diese Bar gehen und etwas bestellen. Und vielleicht, ja vielleicht, ist es dann nicht mehr “The loneliest bar in town”.
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Wenn Du in solchen Kneipen was bestellst, könnte es aber passieren, dass Du das Codewort (ein kleines Bier und einen Tomatensaft *zwinker*)erwischst und dann auf die Toilette gebeten wirst wo es Gras (oder sonstwas) zu kaufen gibt.
PS: aber die Romantiknummer gefällt mir natürlich auch besser
Zum Glück trinke ich Tomatensaft nur in Flugzeugen. (Dahinter steckt bestimmt auch eine gute Geschichte)
Aber in was für Kneipen gehst du?
Wenn man auf Irish Pubs steht, ist das Finnegan’s Wake sehr zu empfehlen (und auch nicht allzu weit weg von der Hafen-City: http://finneganswakeirishpub.com/ Ansonsten ist das Maybach in Emsbüttel ganz nett, auch wenn der Biergarten um 23 Uhr dicht macht und man reingehen muss. Aber am schönsten (also schön as in nett, richtig schön ist was anderes), ist es im Sommer immer noch auf der Schanze, Kneipe fast egal.