Ich habe mich gestern mit einem Bekannten übers Twittern unterhalten. Er meinte: “Nur noch 100 Follower und ich bin bei 1.000. Dann gehöre ich zu den ganz Großen.” Auf meine Frage, ob er jetzt berühmt sei, hat er etwas verwirrt geschaut, und gemeint: “Ne, berühmt bin ich nicht. Will ich auch gar nicht sein.” Dabei ist es doch eigentlich das Ziel jedes Twitter-Nutzers, so viele “Anhänger”, neudeutsch Follower, wie möglich um sich zu scharen. Ab wann ist man denn dann eigentlich berühmt?

5.000 Follower bei Twitter, 2.000 tägliche Leser des Blogs, 1.500 Friends bei Facebook…. Reichen diese Zahlen, um Berühmtheit zu erlangen? Und wer bestimmt das? Sind es die klassischen Medien, also Fernsehen, Zeitschriften oder Radio? Sind es die großen Online-Portale wie Spiegel.de? Oder sind diejenigen, die im Internet jeder kennt, richtige “Promis”?

Laut Wikipedia sind Prominente

Personen, die wie Schauspieler, Musiker und andere Entertainer, aber auch Politiker oder etwa Sportler, oft in der Öffentlichkeit auftreten, so dass über sie häufig auch in Presse, Rundfunk und Fernsehen berichtet wird.

Nach dieser Defintion spielt das Internet eigentlich keine Rolle, ob jemand ein “Promi” ist oder nicht. Also nehmen wir uns mal die Zwitterwesen vor, diejenigen Internet-Bekanntheiten, über die auch in “Presse, Rundfunk und Fernsehen” berichtet wird: Robert Basic z.B. schaffte es spätestens durch den Verkauf seines Blogs “Basic Thinking” in die “relevanten” Medien wie Spiegel Online, Bild oder ins Handelsblatt. Sascha Lobo, der Vorzeige-Blogger und Twitterer, tourt durch die TV-Sendungen des Landes. Im Web sind diese und viele weitere in ganz Deutschland und auch über die Grenzen hinaus bekannt, doch richtige Berühmtheit scheinen sie erst in den klassischen Medien erlangt zu haben.

Wir lachen immer über die sogenannten “B”- bis “F”-Promis, die sich auf Spartensendern einem kleinen Publikum präsentieren und scheinbar das Bedürfnis zu haben, von möglichst vielen Menschen be- und geachtet zu werden. Doch was ist das Ziel derjeniger, die sich im Netz präsentieren, ihr Wissen und teilweise ihr Leben mit anderen teilen? Steckt nicht in jedem von uns ein kleiner “Möchtegern-Promi”?

Die Frage bleibt: Kann man man Blogger und Twitterer tatsächlich mit VIPs vergleichen? Die Sehnsucht nach Aufmerksamkeit verbindet sie sicherlich. Und auch die Anhängerschaft funktioniert (zumindest auf manchen Ebenen) ähnlich. Viele Fans erhoffen sich einen Reply (eine Twitter-Antwort) ihres Promis oder einen Trackback (einen Verweis) auf ihr Blog, ähnlich einer Autogrammkarte oder eines Fotos mit ihrem Star.

Zurück zu meinem Bekannten. Ihm ist schon klar, dass jeder seiner Tweets mitgelesen werden kann. Aber dass es Leute gibt, die ganz gezielt nach ihm suchen? Das doch wohl eher nicht. Auch dass er nicht mit Namen in diesem Beitrag auftauchen möchte, sagt einiges über den Unterschied zu den “echten” Promis aus, die jede Gelegenheit nutzen, ihr Gesicht in eine Kamera zu halten oder ein Statement abzugeben. Schließlich geht es im Netz eher darum, sich mit anderen auszutauschen und von dem Wissen anderer zu profitieren. Aber warum eigentlich keine Twitter-Promi-Show wie Brisant oder Exklusiv? Oder nehmen die Stars den Klatsch- und Tratschsendungen das Futter weg, wenn sie selber alles über sich erzählen wie bspw. Ashton Kutcher?

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