“Früher war alles besser.” Diesen Satz haben wir zwar schon tausendmal gehört, aber sicher noch nicht so oft im Zusammenhang mit Intelligenz und sozialem Gefüge. Es gibt verschiedene Studien und Meinungen darüber, wie das Internet das Wissen der Menschen beeinflusst hat. Die einen sagen, dass man sich heute nichts mehr merken muss, da doch eine Eingabe bei google alles hervorzaubert. Ganz nach dem Motto: “Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht.” Die anderen meinen dagegen, dass das Internet die Intelligenz eher fördert. Nun war es “früher” (in der Nachkriegszeit) so, dass die Medienauswahl sehr begrenzt war. Es gab wenige Radiosender, nicht allzuviele Zeitschriften und Magazine und erst spät mehr als die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Jeder Haushalt hatte ein Radio und einen Fernsehsender, Pay-TV und Zusatzangebote lagen in ferner Zukunft. Somit hatte auch jeder Haushalt das gleiche Informationsangebot. Die Tagesschau lief um 20 Uhr, 25-30 Mio. Zuschauer fanden sich vor dem Fernseher ein und sahen zu, was Karl-Heinz Köpcke über die Lage der Nation zu berichten hatte.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Unterhaltungsprogramm. Samstag abend war “Wetten dass…”-Abend. Die gesamte Familie hatte sich vor dem Fernseher zu vereinen und Frank Elstner dabei zuzusehen, wie er Leute auf die Bühne zauberte, die LKW auf Eier stellen und alle Primzahlen auswendig aufsagen konnten. Dieses Erlebnis war Stadtgespräch an den nächsten Tagen. Da hieß es dann: “Hast du Samstag gesehen, wie der Dingens bei Wetten dass mit Skiern schneller war als ein Boot? War doch klasse, oder?” Heute heißt es immer öfter: “Hast du gestern gesehen, wie…?” “Ne, da kam doch auf ProSieben…” “Ich hab auf RTL2 das gesehen.” “Und ich auf Sat.1 das.” oder aber “Fernsehen? Ich schau kein Fernsehen mehr. Ich schaue mir alles im Internet an.” Mittlerweile gibt es in so ziemlich jedem Raum eines Hauses einen Fernseher oder ein Internet-taugliches Gerät. Den Kreis der Familie (oder besser gesagt, den Halbkreis) gibt es so kaum noch, da jeder das für ihn interessante Programm in einem separaten Raum abruft.

Jetzt könnte man natürlich einwenden: “Ja, aber jetzt kann ich doch meinen Freunden so viel Neues erzählen, von dem sie noch nichts wussten.” Ja, könnte man. Andererseits, was gibt es schöneres, als sich darüber zu streiten, ob das Tor gestern abend nun Abseits war oder nicht, oder gemeinsam in Erinnerung zu schwelgen, wie toll das doch damals war, als bei Wetten dass… die Wette mit den Buntstiften lief, und man selber natürlich sofort wusste, dass das Ganze Betrug war.

Wie ich überhaupt darauf gekommen bin? Freunde erzählten mir von einem Flashmob in Köln, bei dem es zu einer gewaltigen Kissenschlacht gekommen ist. Wie haben sie davon erfahren? Vom heute-Journal im ZDF. Eigentlich dachte ich, dass ich so etwas als erster erfahren sollte. Ist dennoch irgendwie an mir vorbeigegangen. Zum Glück gibt es jedoch die Medienvielfalt, so dass ich es nicht komplett verpasst habe. Ist aber auch wirklich ein zu großer Spaß:

Und um das Ganze zu einem Abschluss zu bringen: Die Leute dort haben sich über das Internet verabredet. Kann ja doch nicht so schlecht sein.

No related posts.

Ähnliche Artikel bereitgestellt von Yet Another Related Posts Plugin.